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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

Gläubigste seiner Zeit innerhalb des Christentums, auch von einemfleckenlosen Wandel und wahrhafter Demut. Sein Feuereifer für dieReligion hatte die entschiedenste Ähnlichkeit mit dem des ApostelsPaulus; darum fühlte-er sich auch von dessen apostolischen Briefenam meisten angezvgen. Paulus' Rechtfertigungslehre, die er deindamaligen Judeutume entgegensetzte, daß der Mensch seine Seligkeitweder durch religiöse Werktätigkeit, noch durch Sittlichkeit und Tugend,sondern einzig und allein durch den unbedingten Glauben an Jesumessianische Erlösung erlangen könne, diese Lehre hatte sich Lutherzu eigen gemacht, hegte sie in stiller Brust, und sein Inneres standbereits, ohne daß er es ahnte, in grellen: Widerspruch zur ganzenkirchlichen Einrichtung von der Seligkeit durch Sakramente, Ablaß,Messen, päpstlichen Gnadenschatz. Die ganze Einseitigkeit des Apostelsvon Tarsus gegen das jüdische Religionsgesetz wendete der Mönchvon Eisleben auf die Kirchensatzungen an. In Ron: hatte er die ganzeFäulnis der Kirche, den Unglauben der Geistlichkeit, mit eigenen Augengesehen; aber so sehr es ihm auch wehe tat, erschütterte diese Wahr-nehmung nicht einen Augenblick seine blinde, mönchische Gläubigkeitvon der Göttlichkeit der katholischen Kirche und von der Unfehlbarkeitdes Papsttums. Wie der Apostel Paulus anfangs ein strenger Gesetzes-gläubiger war, und die erste Christengemeinde mit seinem leiden-schaftlichen Feuereifer verfolgte, so war auch Luther anfangs ein ver-folgungssüchtiger Anbeter des Papsttums.Ich war einstmals", be-merkte er,ein Mönch und rasender Papist, so trunken, so ganz vollvon den Dogmen des Papstes, daß ich bereit war, wenn ich es ver-mocht, alle diejenigen zu töten, welche an den: Gehorsam gegen denPapst auch nur mit einer Silbe mäkeln". Und diesen eigensinnigenMönch hatte die Vorsehung erkoren, die Befreiung von den:Papsttum und den: ganzen mittelalterlichen Wust zu vollbringen. Esgehörte aber viel dazu, bis diesem Hartkopfe die Schuppen von denAugen fielen.

Die erste Veranlassung dazu war der Ablaßschacher. Im MainzerErzbistum waren in kurzer Zeit drei Erzbischöfe gewählt worden, vondenen jeder beim Antritt dem päpstlichen Hofe 20 000 GoldguldenPalliengelder zahlen mußte. Der dritte derselben, Kurfürst Mbrecht,war nicht mehr imstande, die Gelder aus seinem Stifte zu erschwingen,weil die Bewohner durch die Habgier der Kirche völlig ausgesogenund reiche Juden infolge der Vertreibung nicht vorhanden waren. Ermußte sie also aus eigenen Mitteln hergeben, oder vielmehr eine An-leihe bei den Fuggers in Augsburg dafür machen. Um ihn schadloszu halten, versprach ihm der Papst Leo einen Anteil an den: Erlösvon dem Ablaß, den er in lügenhafter Schwindelei zun: Ausbau derPeterskirche ausschrieb. Die wichtigste Angelegenheit der Kirchenfürsten