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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

über ihren schalen Witz, ihre Geschmacklosigkeit und Rechthaberei be- ^siegelt. Der Dominikanerwitz schreibt in einem der Gegen-Dunkel- jMännerbriefe:Ich höre, die Juden freuen sich über den Fortgangihrer Angelegenheit. Sie lesen ein gewisses Buch bei Tische und inihren Teufelssynagogen, verhöhnen täglich die Christen und behaltenihre gotteslästerlichen Schriften. Daher, wenn die nichtswürdigenFeinde des Kreuzes aus angeborener und eingewurzelter Bosheit sichfreuen, müssen wir, wollen wir anders selig werden, trauern. DieseEhre haben wir, daß die Juden zum Skandal der Kirche die Dunkel-männerbriefe ins Deutsche übersetzen".*)

Das Geheimnis konnte nicht mehr gewahrt werden, es wurdevon den Dächern laut verkündet, daß die Kirche einen klaffenden Rißerhalten hatte. Nicht ihre Gegner, sondern der Provinzial des Domini-kanerordens, Eberhard von Cleve, und das ganze Kapitelgestanden in einen: offiziellen Schreiben an den Papst ein, daß derStreit ihnen, den Predigermönchen, Haß und Verachtung eingetragen,daß sie für alle zur Fabel geworden, daß sie jawohl, unverdient!

als Feinde der brüderlichen Liebe, des Friedens und der Eintrachtin Rede und Schrift verschrieen würden, daß ihre Predigten verachtet,ihre Beichtstühle gemieden, daß alles, was sie unternähmen, verlachtund als Hochmut und Überhebung ausgelegt werde?) Die JüngerDomingos, welche ihren Aufschwung dem zunehmenden Fanatismusgegen die Albigenser verdankten, weil sie anfangs sittenstrenger alsWelt- und Ordensgeistliche waren, hatten damals, wenigstens in Deutsch-land, beinah ausgespielt, da sie tief unter diese gesunken waren.

Inzwischen pflanzte sich der Streit zwischen Reuchlin und denDominikanern und namentlich Hochstraten auf einen: andern Gebietefort und berührte das Judentum an einer andern Fläche. Die Kabbalabildete eigentlich den dunklen Hintergrund dieser Bewegung. AusSchwärmerei für diese Geheimlehre, welche den Schlüssel zum tiefer::Verständnis der Philosophie und des Christentums bieten sollte, hatteReuchlin auch den Talmud geschont wissen wollen, weil darin nach seinerMeinung mystische Elemente enthalten seien. Die junge Kabbala wardie Schutzpatronin des grauen Talmuds geworden. Reuchlin verstandaber noch wenig von dieser Afterwissenschaft, selbst zur Zeit, als erdas Werk vondem wundertätigen Wort" (o. S. 79) geschrieben.Seine Wißbegierde und sein Eifer ließen ihm keine Ruhe, sich darinzu orientieren. Es war für ihn bei den Angriffen seiner Gegner ansseine Rechtgläubigkeit, Redlichkeit und Gelehrsamkeit nun gar zu einerEhrensache geworden, die Übereinstimmung der Kabbala mit dem

*) lianisntatlonss obsenrr. virr. non probibitas ab secls anoatoliea Nr. 44.

°) Sendschreiben an den Papst v. 10. Mai IS 18 bei Friedlünder a. a. O.

S. 113 ff.