162
Geschichte der Juden.
verdammen. Der Papst steht nicht unter dem Gesetz, ist vielmehr das jlebendige Gesetz auf Erden; darum kann er alles tun und brauchtauf niemanden Rücksicht zu nehmen. Und wenn er auch einmal Jagesagt hat, kann er darum doch Nein sagen!"U
Ein Brief eines Dominikanermönches berichtet an Ortuin — überdas Gerede der Leute von den Händeln. Man sagt unter anderem,daß der Pfefferkorn, welcher die ganze schmutzige Geschichte eingebrocktHab, nicht besser sei, als jener, welcher in Halle mit glühenden Zangenvom Leben zum Tode gebracht wurde (o. S. 145), und wenn manihn ins Verhör nehmen wollte, würde er eben so viele Verbrecheneinzugestehen haben. Die Leute sprechen weiter: „Pfefferkorn hatdie Cölner Theologen und sie ihn aufgestachelt, die Schriften derJuden zu verbrennen, und das Habei: sie nur getan, damit die Judenmit vielem Gelds zu ihnen kommen und sprechen sollten: .Erlaubetuns unsere Bücher, da habt ihr vierzig Goldgulden/ Einige Judenwürden dafür gern hundert geben, andere gar tausend. Da kamReuchlin und hinderte diesen Plan; daher sind sie über ihn aufge-bracht und nennen ihn einen Ketzer. Auch schreiben sie einige Bücherin lateinischer Sprache unter Pfefferkorns Namen, obwohl er nichteinmal das Alphabet kennt. Sie tun es aber, weil sie wissen, daßniemand ihm antworten wird, weil sich niemand mit diesem Wichtbeschmutzen mag." Dann folgen Ausfälle gegen Arnold von Tongern,daß er als Fälscher befunden worden, gegen Ortuin, der beim Ehebruchertappt worden, gegen Wigand Wirth (den Vers, der Sturmglocke),der die unbefleckte Geburt Marias geleugnet und dann zu widerrufengezwungen worden. Darauf ein einfältiger Dunkelmann: „Ihr dürftetsolches den: Volke nicht sagen, auch wenn es wahr wäre, weil der ganzeDominikanerorden dadurch verlästert wird, und die Menschen sich einböses Beispiel daran nehmen." Zun: Schluß klagt der Mönch: Ichwollte, o Ortuin, die Sache hätte ein Ende, weil sie uns fast nachteiligist; die Menschen wollen uns keine Almosen mehr geben. Ich ging dievergangene Woche Käse zu sammeln und habe in zehn Tagen nicht mehrals 15zusammengebracht, weil alle sagen: Gehe zu Johannes Reuchlinund sage, daß er dir Käse geben möge." ?)
Außerordentlich belustigend ist ein Brief, worin von der einenSeite uachgewiesen wird, daß in Pfefferkorns Verteidigung gegen dieerste Reihe der Dunkelmännerbriefe Ketzereien und Schmähungengegen den Kaiser und Papst enthalten seien, und wie diese Ausstellungvon der anderen gerechtfertigt wird. Angriff: Pfefferkorn nannteseine Heiligkeit eine Dienerin des Herrn auf Erden, sagte somit, der
*) Lxi8to1s.s obsouror. virr. II. Nr. 5.
-) Das. Nr. 7.