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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Zweite Reihe der Tunkelmännerbriefe. 161

gegen die Dominikaner einzunehmen und zu erbittern. Hutten war,seitdem er das Treiben in Rom mit geschärftem Blick kennen gelernthatte, am eifrigsten, den Sturz der Geistlichenherrschaft in Deutsch-land herbeizufiihren. Indem er Reuchlin wegen seines Kleinmutestadelt, bemerkt er in seiner kurzen, schneidenden Weise:Einen großenTeil Deiner Bürde nehmen wir auf uus. Ich blase jetzt eineu Braudzusammen, der zur Zeit ausfliegen wird. Ich werbe Genossen, welchenach Alter und Lebensstellung der Kampfesart gewachsen sind. Ichsollte die Sache der Wahrheit verlassen? Wie wenig kennst du Hutten!Vielmehr, wenn du sie heute verließest, würde ich nach meinen Kräftenden Kampf aufnehmen, und meine Begleiter werden nicht träge sein."Hutten hielt auch Wort. Seitdem Reuchlin durch Alter und zunehmendeSchwäche sich nur noch in Klagen ergoß, stellte sich Hutten in die ersteReihe und sprach Dolche und Flammen.

Der zweite Teil der Duukelmännerbriefe, die wohl größtenteilsvon ihm verfaßt sind (Sommer 1517), hat das Lachen der Reuchlinistenund das Grinsen ihrer Gegner womöglich nur noch mehr gesteigert.Ein Magister klagt seinem Genossen Ortuin Gratius, was er Läster-liches aus dem Munde des Franziskaners Thomas Murner habe hörenmüssen, der ein warmer Freund Reuchlins sei. Er habe unter anderngeäußert:Wenn die Cölner eine gerechte Sache haben, warum lassensie ihre Geschäfte durch den getauften Juden betreiben? Wenn esnoch einen schlimmeren und nichtswürdigeren Menschen in Deutsch-land gäbe, würden sie sich mit ihm verbinden. Gleich und gleich geselltsich?) Da konnte ich nicht dazu schweigen und sagte: .Johannes Pfeffer-korn ist ein ehrlicher Mann und ist aus dein Stamme Naphtali geboren,aus altem Adel; er rühmt sich dessen nur nicht, weil er bescheiden ist?Darauf Thomas Murner:Von Pfefferkorns Ehrlichkeit Hab' ich nichtviel gehört, was ich gehört habe, ist, daß, wenn die Juden ihn wegenseiner Missetaten nicht hätten töten wollen, er nicht Christ gewordenwäre. Ein Jude habe gesagt: .Sehet, was bei den Juden nichts taugt,ist für die Christen immer noch gut genug? Darauf nimmt der MagisterPfefferkorn in Schutz und Thomas Murner sagt zum Schluß:Pfeffer-korn ist würdig, einen solchen Verteidiger zu haben".

Über die Unfehlbarkeit des Papsttums, die sich in der Talmud-Pfefferkorn-Reuchlin-Hochstratenschen Streitsache, ebenso wie die Festig-keit des Kaisers bloßgestellt hatte, verhandelte einer der Dunkelmänner-briefe in einem so wegwerfend burschikosen Tone, daß mau darausden baldigen Niedergang desselben ahnen konnte.Ter Papst sollden .Augenspiegel' freigesprochen haben, er kann ihn aber wieder

h lllpistolus obseuroi'. von. II, Ho. 3, quis. Lolilem seblem, qimerivsilü similsm.

Nraetz, Geschichte der Juden. IX.

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