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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Niederschlagung des Reuchlinischeu Prozesses. 159

mit dem Zusatze, daß Hochstrateu, der Ketzerrichter, der sich für eineSäule der Kirche halte, wegen seiner Unbotmäßigkeit mit Strafe zubelegen sei. In demselben Sinne sprachen sich sämtliche Mitgliederder Kommission aus, bis auf den fanatisch-finstern Kardinal Syl-vester Prierias, freilich ein Dominikaner, welcher ebenfallsfür Scheiterhaufen schwärmte; er allein redete Hochstraten das Wort.Der Ketzermeister war über dieses Verdammnngsurteil wider ihn be-troffen, aber nicht entmutigt. Er suchte noch durch allerhand Winkelzügeseinen Willen durchzusetzen und schlug gar seinen verketzernden Artikelgegen Reuchlin, Inden und Talmud an verschiedenen Stellen in Romöffentlich an. Sie wurden aber von den Reuchlinisten, deren es auchin Rom immer mehr gab, in dein Maße, als Hochstratens Säckel immerleerer geworden war, herabgerissen und in den Straßenkot getreten.Indessen, erfindungsreich im Bösen wie er war, und mit den regie-renden Persönlichkeiten an der päpstlichen Kurie bekannt, gab er seineSache noch nicht verloren. Noch hatte der Papst nicht das Wort ge-sprochen. Hochstraten und seine Freunde bestimmten daher Leo X.ein Mandat zu erlassen, daß der Prozeß vor der Hand niedergeschlagenwerde (mnüäntrinl äs sapsrssäsnäo).

Dieser Ausweg entsprach vollständig Leos Charakter und Stellungzu den leidenschaftlich erregten Parteien. Er liebte die Auf-regung nicht, und er würde sie sich zugezogen haben, wenn er sich fürdie eine oder die andere Seite entschieden ausgesprochen hätte. Er wolltees auch weder mit den Humanisten, noch mit den Dunkelmännern,weder mit dem deutschen Kaiser, noch mit dem König von Frankreichund dem Regenten von Spanien verderben; so blieb der Prozeß inder Schwebe und konnte jeden Augenblick bei günstigerer Zeitlagevon den Dominikanern wieder ausgenommen werden. Hochstratenmußte zwar Rom mit Schimpf und Schmach verlassen; aber er gabdie Hoffnung nicht auf, sein Ziel doch endlich zu erreichen. Er warein willensstarker Mann, der sich durch Demütigungen nicht nieder-beugen ließ; er war auch so gewissenlos, daß ihm Lügen und Ver-drehungen leicht wurden.

Wenn Papst Leo geglaubt hat, durch seinen Machtspruch dieHändel niederschlageil zu können, so hat er das Ansehen des Papst-tums überschätzt und die Parteien, sowie den innersten Kern derEntzweiung verkannt. Die Gemüter waren zu sehr erhitzt, als daßsie durch ein Wort von oben herab sich hätten beruhigeil sollen. BeideParteieil wollten nicht den Frieden, sondern den Krieg, den erbittertsteilKrieg ans Tod und Leben. Als Hochstraten aus Rom zurückkehrte,war er seines Lebens nicht sicher. Wütende Reuchlinisten machtenöfter Anschläge ans ihn, und es bedurfte der nachdrücklichsten Warnungvon seiten Renchlins, daß ihm weiter nichts Leides widerfahren ist,