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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

Auf der einen Seite drängte nämlich der Kaiser Maximilian mit vielendeutschen Fürsten darauf, Reuchlin sreizusprechen und den Domini-kanern den Mund zu schließen, und ließ einen Prozeß wegen Maje-stütsbeleidigung gegen Pfefferkorn einleitend) gegen den Wicht, dener ans Kopflosigkeit solange begünstigt hatte. Von der andern Seiteführten der König von Frankreich und der junge Karl (damals Herzogvon Burgund), künftiger Kaiser von Deutschland, König von Spanienund Amerika, eine fast drohende Sprache gegen den Papst, daß dieSache mit mehr Ernst betrieben und das judenfrenndliche Buch end-lich verurteilt werden solle.?) Leo hielt es für geraten, die bedenk-lich werdende Angelegenheit von seinen Schultern abznwälzen. Erübertrug die Entscheidung einer Prüfungskommission bestehend aus denMitgliedern des damals tagenden großen Laterankonzils. So wurde dieTalmudfrage zur wichtigen Sache einer ökumenischen Synode, gewisser-maßen zu einer europäischen Frage erhoben und damit an die großeGlocke gehängt.

Reuchlin, der sich anfangs der Hoffnung hingegeben hatte, seineSache werde in Rom schnell erledigt werden, überließ sich, nachdemsie sich zwei Jahre hingezogen hatte, einer kleinmütigen Verzweiflung.Er fürchtete, daß der Eifer seiner Freunde erkalten, sein Vermögenim Betrieb des Prozesses erschöpft werden, er dem herannahendenAlter erliegen und nach seinein Tode dann doch von der offiziellenkatholischen Welt als Ketzer gebrandmarkt werden würde. SeineFreunde mußten ihm wiederholt Mut zusprechen. Keiner derselbentat es mit mehr Nachdruck als der jugendlich feurige Ulrich vonHutten, der sich damals in Italien aufhielt. Er allein erkannteam tiefsten die ganze Tragweite dieses weltgeschichtlich gewordenenProzesses. Er wollte die Sache so betrieben wissen, daß dadurch derSturz des Dominikanerordens, der Sturz des Papsttums und wo-möglich der Untergang des mittelalterlichen Spukes herbeigeführt werde.

Endlich wurde der Spruch gefällt (2. Juli 1516). Tie erste Stimme,die des Bischofs Georgius Benignus von Nazareth, welchesich in der synodalen Kommission darüber vernehmen ließ, lautete,daß der Reuchlinsche Augenspiegel keine Ketzereien enthalte, daß viel-mehr das Urteil der Pariser Universität und der übrigen Hochschulenals ungerechte Schmähungen zu verdammen sei. Er war ebenfallsfür die hebräische und chaldäische Literatur eingenommen?) und konntedem Verdammungsurteil der Dominikaner nicht das Wort reden.Ebenso lautete das zweite Votum des Bischofs von Malfi, nur noch

U Obronicon Lxalatinl bei Mencken, scrr. rerr. Oerin. II, 592, auch beiPfefferkorn clelenLio contra, taino8as.

?) Pfefferkorn, das. ü?. 2b ff.

?) Bergl. Briefsaminlung II, Pitkas Brief an Reuchlin.