Sechstes Kgxiiel.
Der Reuchlinsche Streit und die lutherische Reformation.
Größere Verwickelung des Streites; Spruch der Konzilskommifsson. Zwei-deutige Entscheidung des Papstes Leo. Der Kampf wird immer leidenschaft-licher. Fortsetzung der Duukelmännerbricfe. Klagen der Dominikaner überVerachtung beim Volke. Schwärmerei christlicher Gelehrten für die Kabbala.Paulus Ricio: kabbalistische Fälscher. Renchliu über die kabbalistischeTheorie, eine Empfehlungsschrist für den Papst Leo. Galatinus' kabba-listische Abgeschmacktheiten. Mischehe zwischen Kabbala und Christentum.Luthers Auftreten, begünstigt durch die Reuchlinsche Bewegung. Wirrendurch Maximilians Tod. Reuchlin und Luther, Talmudfrage und Refor-mation zusammengeworfen. Die Dominikaner verleugnen Hochstraten undder Papst wünscht den Talmud gedruckt zu sehen. Erste Ausgabe des baby-lonischen und jerusalemischen Talmud von Bömberg. Fortschritt der Re-formation. Pfefferkorns letzte Schmähschrist gegen Reuchlin und die Juden.Quälerei der Juden von Rcgensburg. Der fanatische Prediger Hub-maier. Schmähliche Ausweisung der Juden von Regensburg. Vollendungder Reformation. Luther anfangs für die Juden. Der Eifer für Bibelund hebräische grammatische Studien. Elia Lcvita, Lehrer christlicher Meister.Die hebräische Literatur in Frankreich; Justinianis Äors Usboelnm. DieBibelübersetzungen! Liblis. Labbiniea.
(1516 bis 1525.)
Der Anfang zu einer durchgreifenden Umwälzung war eben derReuchlinsche Streit mit den Dominikanern wegen des Talmud, unddiese sollte die versteinerte und entsittlichte Welt bessern. In Romhatte nämlich der Prozeß einen, zwar wegen des Hin- und Herziehenszweier Parteien, durch Minen und Gegenminen sehr langsamen,aber doch merklichen Fortschritt gemacht. Hochstraten, einsehend, daßdie Kommission aus den zwei Kardinalen Grimani und An-co nitani zugunsten Reuchlins entscheiden würde, verlangte mitUngestüm die Entscheidung durch ein Konzil, weil es sich nicht umeinen Rechtsstreit, sondern um eine Glaubenssache handle, Papst Leo,der es mit keiner Partei verderben wollte, mußte im Widerspruchemit seinen eigenen wiederholten Befehlen zum Teil darauf eingehen.