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Geschichte der Juden.
traurige Berühmtheit erlangte, war zum Erzbischof von Mainz erwähltworden (März 1514). Er war ein vornehmer Herr, der sich mit hoherPolitik beschäftigte und die Verwaltung seines Erzbistums dem Dom-kapitel überließ. Albert hatte einen Anstrich von Bildung und ließsich auch gern als Freund der Humanisten rühmen, aber es war nichtmehr als Schein. Für die Juden hatte er kein besonderes Interesse,wenn er ihnen auch den Aufenthalt in Mainz wieder gestattet hatU)Tie Mehrzahl der Mainzer Domherrn verschmähte auch den Scheinvon Bildung, hielt mehr auf Hunde und Falken, als auf Bücher, aufGeld und Wohlleben mehr als auf klassische Gelehrsamkeit. 2 ) EinigeHerren von: Domkapitel waren mit Hochstraten und den CölnerDominikanern befreundet und hatten dazu geholfen, Reuchlins „Augen-spiegel zu verdammen ( 0 . S. 129)." Diese Judenfeinde hatten wahr-scheinlich auf Anregung von Cöln aus, den Erzbischof Albert bewogen,eine Einladung an geistliche und weltliche Herren und an einige Städte,namentlich Frankfurt und Worms, ergehen zu lassen, auf einer Tag-satznng in Frankfurt zusammenzukommen, um zu beraten, die Judenauszuweisen, daß sie nimmermehr zugelassen werden sollten. DerEinladung folgend, erschienen in Frankfurt (7. Januar 1516)2) Ab-geordnete des Erzbistums M ainz und der Abtei Fulda, desPfalzgrafeu Ludwig, der Laudgräfin Anna von Hessen,des Burggrafen von Friedberg und der Städte W 0 rins,Frankfurt, Wetzlar, Hanau, Gelnhausen, derFürsten von Nassau, Graf Michael von Wertheim ineigener Person und noch andere kleine Herrschaften. Sie traten tagsdarauf zu einer Beratung der Judenfrage zusammen. Das Pro-gramm lautete, daß sämtliche Stände sich einigen und bündig verpflichtensollten, auf alle Gerechtsame und Nutzen von den Juden zu verzichten,ihre jüdischen Untertanen auszuweisen und solche niemals mehr unterwelchem Titel auch immer für die Dauer oder zeitweise aufzunehmen.Diesen gemeinsamen Beschluß sollten sie den: Kaiser unterbreitenund um dessen Bestätigung bitten.
Bei der Beratung über das Wehe der Juden des westlichenDeutschlands stimmten Kurmainz, die Pfalz, die Vertreter der Land-gräfin von Hessen und mehrere Stände unbedingt für die Ausweisung.Frankfurt, Worms und noch einige sagten nur bedingt zu, wenn einevollständige Einigung zustande kommen sollte. Ter Deputierte vonWorms bemerkte, der Rat dieser Stadt habe früher schon darüber
1) Folgt aus der Urkunde bei Schaab, diplomatische Geschichte der Judenvon Mainz S. 167 f.
2 ) David Strauß, Hutten I. S. 169.
2 ) Aktenstücke bei Schaab a. a. O. 164 ff.