Tagsatzung zu Frankfurt wegen Ausweisung der Juden. 153
gearbeitet, zu ihrem Hauptziele zu gelangen oder wenigstens Rachean den Juden zu nehmen. Was frommte es ihnen, daß einige er-leuchtete Christen, auf das Judentum aufmerksam gemacht, eine be-sondere Vorliebe für dasselbe faßten und ihre neugewonnene Über-zeugung in Schriften kundgaben?*) Die christliche Gesellschaft imganzen und großen war nun einmal gegen die jüdische Lehre undderen Anhänger eingenommen. Mit Recht sagte Erasmus damals:„Wenn es christlich ist, die Juden zu hassen, so sind wir sehr christlich."?)Daher wurde es ihren Feinden leicht, sie zu schädigen. Pfefferkornhatte oster darauf hingewiesen, daß es in Deutschland nur noch dreigroße jüdische Gemeinden gäbe, Regensburg, Frankfurt und Worms,und mit der Vertilgung derselben würde es mit der Judenheit imdeutschen Reiche ganz und gar zu Ende sein.
Wenn sich vielleicht viele Glieder des Humanistenkreises von dementsetzlichen Wahne, daß die Juden darauf versessen wären, Christen-kindern das Blut abzuzapfen und Hostien zu schänden, frei gemachthatten, im allgemeinen fand eine solche Anschuldigung Glauben undwurde von ihren nach Rache schnaubenden Feinden zu ihrem Unheilbenutzt. Eine solche Anklage wurde während des Prozeßganges inRom gegen die Gemeinde in einem elsässischen Städtchen (Mittelberg)erhoben und mehrere Personen in strenge Haft gebracht, darunter auchJoselin von Mosheim, der Verteidiger der Judenheit (1514). Ersollte verhindert werden, den Kaiser Maximilian um Schutz anzugehen.Erst nach sieben Wochen kam die Unwahrheit der Anschuldigung anden Tag, und die Verhafteten wurden entlassen. In: folgenden Jahreverschworen sich der Bischof von Straßburg mit den Adligen derer vonAndlau und dem Bürgerrat von Tbernai, welche von jeher erbitterteFeinde der Juden waren, die Gemeinden aus dein Elsaß auszuweisen.Glücklicherweise gelang es dein unermüdlichen Joselin, der mehrere Maleden Kaiser aufsuchte und vor ihm über den geplanten Gewaltakt Klageführte, den Schlag abznwenden?)
Uni eine Austreibung der Juden aus Frankfurt und Wormszu bewirken, hatten die Judenfeinde ein zweckmäßiges Mittel ersonnen.Der junge Markgraf Albert von Brandenburg, bisherBischof von Magdeburg, der später in der Reformationsgeschichte eine
ß Erasmus' Brief au Capito v. Februar 1516: Kuper exieruut tu vul-Kus aliguot tidetti, mernm .lullaismum re8ipisute8. Video guantum mickaritUinitns: . . . guo (ldrmtuiu ex .luckaismo viucliearet, et seutio <iuo8ilaineodein retadi elaneutum.
2) Das. au Hochstraten 1519: 8i Otlristiauum sst, oämse luitaeos, dieabnuile omnss (Airistiani suiuuo.
b) Joselins Tagebuch Usvus Nr. 6—7. Über die Feindseligkeit vonObernai und Colmar Lev. XIII 67 f.