Die Dunkelmännerbriefe.
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E i t e l n ar r a b i a n u s von Pessenek teilt Ortuin mit,er habe jüngst in Worms mit zwei Juden disputiert, ihre Messiashvffnungals eine Täuschung dargestellt und sie auf Pfefferkorn verwiesen. Daraufhätten die Juden gelacht: „Euer Pfefferkorn in Cöln ist ein gemeinerSchwindler. Von: Hebräischen versteht er nichts, er ist nur Christ ge-worden, nur seine Schlechtigkeit zu verbergen. Als er noch Jude inMähren war, schlug er eine Frau, die vor einer Geldbank saß, ins Gesicht,damit sie nicht sehen konnte, wie er mehr als 200 Gulden daraus stahlund dann davonlief. Und an einen: andern Orte war schon wegenDiebstahls ein Galgen für ihn aufgerichtet; er wurde aber, man weißnicht wie, davon befreit. Wir haben den Galgen gesehen, auch einigeChristen und Adlige, die wir Euch nennen können. Darum dürft ihrdiesen Dieb nicht als Gewährsmann anführen." Darauf habeEitelnarrabianus geantwortet: „Ihr schlechten Juden lügt in eurenHals, und wenn ihr nicht ein Privilegium hättet, würde ich euch an:Haar packen und in Kot werfen. Pfefferkorn ist ein guter Christ, daer mit seiner Frau viel bei den Dominikanern beichtet; er hört gernMesse, und wenn der Priester die Hostie in die Höhe hebt, sieht er nichtzu Boden, es sei den::, daß er gerade ausspeit. Meint ihr, daß die Gottes-gelehrten und Bürgermeister in Cöln dumm sind, daß sie ihn zun:Spitalaufseher und Salzvermesser geinacht haben? Das würden sienicht getan haben, wenn Pfefferkorn nicht ein guter Christ wäre. Ihrsagt aber, nur wegen seines schönen Weibchens sei er den Gottes-gelehrten und den: Bürgermeister angenehm. Das ist aber nicht wahr,denn die Bürgermeister haben selbst schöne Frauen, und die Gottes-gelehrten kümmern sich nicht um Weiber. Man hat auch noch nie gehört,daß ein solcher Ehebrecher gewesen wäre." Dann folgt eine unüber-setzbare Bemerkung über Pfefferkorns Frau in: zynischen Geschmackder Dominikaner und jenes Jahrhunderts.^) Von derselben Art istauch der folgende Brief, eine theologisch-gelehrte Anfrage von Feder-fusius an Ortuin Gratius: Wie der Leib eines getauften Judenbei der einstigen Auferstehung wohl beschaffen sein werde, eine schmutzigesubtile Auseinandersetzung, der scholastischen Dominikaner würdig.
Ein schallendes Gelächter ging durch das westliche Europa beimLesen der Dunkelmännerbriefe. Alle, die in Deutschland, Italien,Frankreich und England Lateinisch verstanden, lachten oder kichertenüber Form und Inhalt dieser. Selbstbekenntnisse der Dominikanerund Scholastiker. Diese plumpen Gemeinheiten, diese dickköpfigeUnwissenheit, diese überklug sich spreizende Albernheit, diese Unzüchtig-keit in Wort und Wendung stachen allzu grell ab gegen die äußerlicheGelahrtheit und Ehrbarkeit des Standes, den: alle diese Lächerlichkeiten
st lchnstolas Obsemoi'am Nr. 36.