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Geschichte der Juden.
scheiden können. Pellifex richtet nun an Ortuin Gratius die gewichtigeFrage, ob er damit eine Todsünde oder eine verzeihliche Sünde be-gangen, ob es ein einfacher oder ein vor den Bischof oder gar vor denPapst gehöriger Fall sei. Auch möge Ortuin ihm schreiben, ob die Frank-furter Bürger recht daran täten, die Juden in derselben Tracht wiedie Doktoren der heiligen Theologie einhergehen zu lassen. Ter Kaisersollte solches nicht duldeil, daß ein Jud, der wie ein Hund ist, ein FeindChristi.. . (das war die Sprache der Dominikaner). Gewiß, nichtskonnte besser die Erbärmlichkeit und Spitzfindigkeit der scholastischenTheologen geißeln, als dieser Brief es tut.
Ein Jünger Ortuins, S ch i r r u g l i u s, schüttet vor diesemsein beschwertes Herz aus, wie die zu Mainz gar nicht so fromm seienwie die Cöluer. Ein Mainzer wage zu behaupten, der Rock vonTrier sei gar nicht Christi Rock, sondern ein altes l.. Kleidungs-
stück, daß das Haar der gebenedeiten Jungfrau gar nicht mehr in derWelt existiere, und daß er den Ablaß der Dominikaner verachte, weildiese Schwindler seien und Weiber wie Bauern täuschten. Daraufich: „Ins Feuer, ins Feuer mit diesem Ketzer," — „Wenn das Hoch-straten hörte, der Ketzermeister!" Ter Mainzer aber lachte und sagte,Hvchstraten sei ein abscheuliches Tier, Reuchlin aber ein Biedermann,die Theologen dagegen Teufel. Die Pariser Universität, welcheReuchlins Buch verdammt habe, sei von den Dominikanern bestochengewesen; sie sei nicht die Mutter der übrigen Hochschulen, sondern dieMutter der Dummheit. Der Mainzer behauptete auch, der Talmudsei von der Kirche nicht verdammt worden. Darauf der Pfarrer PeterMayer von Frankfurt: „Es steht aber iu der Glaubensfeste des SpaniersAlfonso de Spina, daß der Talmud ein abscheuliches Buch sei." DerMainzer entgegenete darauf, die Glaubensfeste sei eine Schmutz-schrist, und wer Beweise daraus ziehe, sei ein DummkopfU) In diesemläppischen Tone fährt der Brief fort, die Untaten der Dominikaner aus-einanderzusetzen. Ein Professor der Theologie redet Ortuin ins Ge-wissen, daß er doch den Jüngern durch sträflichen Verkehr mit Frauen-zimmern kein böses Beispiel geben solle. Aber er gleiche diese Sündedadurch wieder aus, daß er gegen Reuchlin schriebe. Man erzähltsich aber, daß Pfefferkorn, den Ortuin verteidigt, ein nichtsnutzigerMensch sei, der nicht aus Liebe zum Glauben Christ geworden, sondernweil die Juden ihn wegen seiner Untaten hätten hängen wollen, da erein Spitzbube und Angeber sei. Auch sagt man, er sei ein schlechter Christund werde nicht im Glauben bleiben, wie der in Halle verbranntePfefferkorn; daher möge sich Ortuin vorsehen.^)
^ lchüsNolas Obseurornin I, llr. 22.
2 ) Das. Nr. 23.