Die Dunkelmännerbriefe.
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Theologie, sich selbst gaben, wie sie waren, sich selbst in ihrer widrigenBlöße zeigten, gewissermaßen sich selbst an den Pranger stellten. Eskonnte aber nicht fehlen, daß bei dieser Verhöhnung der Dunkelmännerauch die Schäden des Papsttums, der ganzen hierarchischen Tyranneiund der Kirche überhaupt bloßgelegt wurden. Waren doch die Domini-kaner mit ihrer hochmütigen Unwissenheit und frechen Unzucht nurAusflüsse und naturgemäße Wirkungen der katholischen Ordnung undInstitution! So wirkten die satirischen Briefe der „Dunkelmänner"wie eine ätzende Säure, um den ohnehin faulen Leib der katholischenKirche vollends zu durchfressen.
Die Juden und der Talmud waren die erste Veranlassung zu denReuchlinschen Händeln, sie durften in den Dunkelmännerbriefennicht fehlen. Solchergestalt wurden die so sehr verachteten Juden aufdie Tagesordnung gebracht. Im zweiten Briefe legte angeblich derMagister Johannes Pellifex dem sogenannten GewissensratLrtuin Gratius eine Gewissensfrage vor. Er sei neulich mit einemjungen Theologen zur Zeit der Frankfurter Messe au zwei anständigausseheuden Männern vorübergegangen, welche schwarze Röcke undKapuzen mit Mönchshüllen getragen, so daß er sie für Geistliche gehalten,vor ihnen eine Reverenz gemacht und das Barett gezogen habe. SeinBegleiter habe ihn aber zu seinen: Entsetzen darauf aufmerksam ge-macht, daß es Juden gewesen. Sein Begleiter habe gar behauptet,er habe damit eine Todsünde begangen, weil es an Götzendienst an-streife und gegen das erste der zehn Gebote verstoße. Tenn wennein Christ einen: Juden Ehre erweise, handle er gegen das ChristeiUnn:und scheine selbst ein Jude zu sein, und die Juden könnten sich rühmen,sie seien mehr als die Christen, würden dadurch nur in ihren: Unglaubenbestärkt, verachteten den Christenglauben und wollten sich nicht taufenlassen. (Es ist das dieselbe Anklagereihe, welche die Dominikaner gegenReuchlin wegen seiner Begünstigung der Juden ausspintisiert hatten.)Der junge Theologe erzählt darauf eine Geschichte, wie er einmal vorden: Bilde eines Juden mit den: Hammer in der Hand in der Kirche,in der Meinung, es sei der heilige Petrus, das Knie gebeugt, dannbei näherer Betrachtung tiefe Neue darüber empfunden hätte. Inder Beichte bei den Dominikanern hätte ihm der Beichtvater auseinander-gesetzt, daß er damit, wenn auch unwissentlich, eine Todsündebegangen habe, und er, der Beichtvater, hätte ihn: nicht die Absolutionerteilen können, wenn er nicht zufällig bischöfliche Befugnis gehabthätte. Wenn das aber wissentlich geschehen wäre, so hätte nur der Papstdie Sünde tilgen können. Und so rät der junge Theologe den: MagisterPellifex wegen seiner Reverenz vor den zwei Inden vor den: Offizialzu beichten, weil er hätte genau Hinsehen müssen und solchergestaltdie Juden durch das gelbe Rad an: Kleide von den Geistlichen unter-