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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

Der Prozeßgang, an sich in Rom außerordentlich schleppend,wurde von den Dominikanern geflissentlich noch mehr hingehalten.Hochstraten hatte der Anklageschrift eine Übersetzung desAugen-spiegels" beigelegt, welche das Original an vielen Stellen geradezugefälscht und dem Verfasser ketzerische Sätze in den Mund gelegt hatte.Die niedergesetzte Kommission ließ zwar von einem in Rom anwesendenDeutschen, Martin von Groningen, eine andere und zwarwortgetreue Übersetzung veranstalten; aber daran mäkelte wieder dieGegenpartei. Durch solche Hindernisse rückte der Prozeß nicht vonder Stelle und kostete bereits im ersten Verlauf Renchlin über 400 Gold-gulden4) Das wars, worauf die Dominikaner gerechnet hatten,ihren Gegner, den Judengönner, der ihnen die Beute abgejagt, inArmut zu versetzen, damit er verhindert werde, sein Recht zu verfolgen.So schwand immer mehr die Aussicht, Reuchlins Sache in Romtriumphieren zu sehen. Daher waren Reuchlins Freunde darauf be-dacht, einen andern Richterstuhl für diese Streitsache zu schaffen, vonden: übelberatenen oder eingeschüchterten Papste an die öffentlicheMeinung zu appellieren.

Während der Spannung der Gemüter, als kleine und größereKreise, hohe und niedrige Geistliche, Fürsten und gebildete Bürger aufNachrichten lauschten, wie der Renchlinsche Prozeß in Ron: ausgefallensei oder ausfallen dürfte, dichtete einer der jüngeren Humanisten(wahrscheinlich zuerst Crotus Rubianus in Leipzig) eine Reihevon Briefen, welche ihresgleichen, was Witz, Laune und beißendeSatire betrifft, noch nicht in der Literatur hatten. DieBriefeder Dunkelmänner" betitelt (sxistolas obsoarornin virornm,verfaßt im Laufe des Jahres 1515)2), größtenteils an den schuftigenOrtuin Gratius gerichtet, reden die Sprache der ungehobelten Mönche.Sie legen deren niedrigen Sinn, ihren Hochmut, ihre erstaunlicheUnwissenheit, Lüsternheit, Gehässigkeit und Unflätigkeit, ihr erbärm-liches Latein und ihre noch erbärmlichere Moral, ihre logikalische Faselei,ihr widriges Geklätsche bloß, kurz sie führen alle ihre Untugenden undNnausstehlichkeiten so handgreiflich vor Angen, daß sie auch dem Halb-gebildeten einleuchteten. Alle Feinde Reuchlins, Hochstraten, Arnoldvon Tongern, Ortuin Gratius, Pfefferkorn, alle ihre Helfershelfer,Peter Mayer, Wigand, die Pariser Universität mußten darin Spieß-ruten laufen. Sie wurden mit Stacheln und Skorpionen gegeißelt,daß nicht ein gesunder Fleck an ihnen blieb. Diese künstlerischen Satiren,welche mehr als aristophanischen Spott enthalten, wirkten um sodrastischer, als die Dominikaner, die Thomisten, die Doktoren der

y Bei Friedländer, Beiträge Nr. 11, S. 49 Renchlin an Kardinalde St. Eusebio vom 10. Febr. ISIS.

°h Vergl. Note 2.