Parteinahme für und gegen Reuchlin.
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im Falle Reuchlin den Sieg davon tragen sollte, sich mit den Hussitenin Böhmen gegen den Papst verbinden würden. So verblendet wardiese Rotte in ihrem Rachegefühl, daß sie aus bloßer Rechthabereiden Katholizismus untergrub. Auch die Majestät des Kaisers schontensie nicht, als sie erfuhren, daß Maximilian sich für Reuchlin beim Papstverwendet hatte, und häuften Schmähungen auf ihnck)
Ihre Hoffnung setzten die Dominikaner auf den Ausspruch derPariser Universität, der Mutter sämtlicher europäischer Hochschulen.Wenn diese angesehenste theologische Fakultät Reuchlins Schrift und denTalmud verdammte, dann würde der Papst selbst nicht wagen, sichmit ihr in Widerspruch zu setzen. Alle Hebel setzten sie daher in Be-wegung, von Paris aus ein ihnen günstiges Gutachten zu erlangen.Besonders wurde der König von Frankreich, Ludwig XII., durch seinenBeichtvater Guillaume Haqninet Petit bearbeitet, auf dietheologische Fakultät zugunsten der Dominikaner einen Druck aus-zuüben. Die Politik, welche Frankreich und den deutschen Kaiserentzweit hatte, spielte ebenfalls in diesen Streit hinein. Weil derKaiser von Deutschland für Reuchlin war, entschied sich der König vonFrankreich für die Dominikaner und gegen den Talmud. — Wie sehrdas Ansehen des Papsttums selbst bei den Rechtgläubigen damals ge-litten hatte, zeigt sich an diesem Beispiele. Die Pariser theologischeFakultät durfte die Entscheidung gar nicht in die Hand nehmen, nach-dem die päpstliche Kommission ein Verbot hatte ergehen lassen, daßkein Tribunal sich damit befassen dürfte. Nichtsdestoweniger setztedie Pariser theologische Fakultät selbständig die Prüfung fort, obReuchlins Schrift zugunsten der Juden und des Talmud Ketzerei eick-halte oder nicht. Tie Entscheidung war aber nicht leicht getroffen,da Reuchlin auch in Paris viele und warme Freunde zählte, namentlichden königlichen Leibarzt Cope und den griechischen HumanistenJakob Lese bred'Etaple, der ein angesehenes Mitglied derHochschule war. Daher zog sich die Beratung in die Länge (Mai bisanfangs August 1514).
In siebenundvierzig Sitzungen wurde darüber verhandelt. ESgab unter den Stimmenden manche, welche sich teils zugunstenReuchlins aussprachen, teils die Ungesetzlichkeit der Verhandlung hervor-hoben, aber sie wurden von den Fanatikern so sehr ttberschrien, daßsie gar nicht zu Worte kommen konnten.?) Für viele französische Theo-
h Kaiser Maximilians Brief an den Papst. Briefiannnlnng das. vom23. Oktober 1515: gni (iiii oaptiosi tbeologl) stia.ni non veriti sunt i»
eominissions sornm nupsr apncl Usatitnüinsm vestram impstrata nos stalias prineipss nostros dsrmaniae taxare.
H Die Vorgänge während der Verhandlung im Schoße der PariserUniversität sind anschaulich geschildert in der Piece: Oöntra Lentimsntnin