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Geschichte der Juden.
kosten Gelder für ihn zusammengeschossen hätten; er mußte gewärtigsein, dieselben allein zu tragen. An Empfehlungen ließen es aber seineFreunde und Gönner nicht fehlen. Der Kaiser Maximilian, derUrheber aller dieser Wirren — weil er Pfefferkorns Gemeinheitenund der hysterischen Frömmigkeit seiner Schwester ein allzu geneigtesOhr geliehen, später aber seine Unklugheit bereute — verwendete sichöfter beim Papste für Neuchlin. Er sehe ein, schrieb der Kaiser, daßdie Cölner widerrechtlich und durch Ränke den Streit in die Längeziehen wollten, um den unschuldigen, vortrefflichen, gelehrten und mitder Kirchenlehre Wohl übereinstimmenden Neuchlin aufzureiben. „Daswas jener (zugunsten des jüdischen Schrifttums) geschrieben, sei inseinem, des Kaisers, Auftrag zu gutem Zwecke und Frommen derChristenheit geschehen."*) Auch der vielvermögende Minister desKaisers, Kardinal von Gurk, verwendete sich bei Leo X. für Neuchlin,ferner einige Fürsten, sein Herr, der Herzog Ulrich von Württem-berg, der Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen, welchereinige Jahre später für Luther und die Reformation gegen dieselbenDominikaner eintreten sollte, der Markgraf von Baden, welcher sichini Anfang für die Juden verwendet hatte, der Meister des deutschenRitterordens, die Bischöfe von Straßburg, Konstanz, Worms und Speyer,endlich noch fünfzehn Äbte und dreiundfünfzig schwäbische Städte.?)Daraus konnte der Papst ersehen, wie sehr die öffentliche Meinunggegen die Dominikaner eingenommen war. Die Streitfrage schien auchanfangs eine günstige Wendung für Neuchlin zu nehmen trotz Hoch-stratens Geldverschwendung und polternden Auftretens. Seine undseiner Gesinnungsgenossen Anstrengung, den Kardinal BernardinodeSantaCroceals zweiten Richter in die Kommission zu bringen,wurde durch die Gegenmine der Reuchlinisten vereitelt. Der Papsternannte dazu einen zweiten Gönner Reuchlins, den Kardinal PietroAnconitanide St. Eusebio. Diese zwei Kommissarien er-ließen ein Mandat, daß sich kein anderer Richter und keine Körperschaftmit dein Prozesse befassen oder ein Urteil abgeben dürfe, bis der Spruchin Rom gefällt sein wurde.
Aber die Dominikaner trotzten der öffentlichen Meinung, derKommission und dein Papste. Den Kardinal Griinani verdächtigtenund verlästerten sie als einen Dummkopf. Vom Papst sprachen siewie von einem Schulbuben, der unter ihrer Zuchtrute stünde. Wenner nicht in ihrem Sinne die Entscheidung treffen sollte, so würdensie ihm den Gehorsam aufkündigen, von ihm abfallen und selbst eineKirchenspaltung nicht scheuen. Sie ließen Drohungen fallen, daß sie
*) Maximilians Brief in Briefsammlung II, Ende.
?) Reuchlins Schreiben an den Papst, bei Friedländer a. a. O., Nr. 13,Ende. Epilog zu dessen äs arte oabalistios, und auch in tlota ilmlieiormn.