ReuchlinS Prozeß i» Roin.
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gehen sollte, wie beliebt Reuchlin beim Pater des Papstes Lev X.,bei Lorenzo von Medici von Florenz, gewesen war.
Am meisten war es Reuchlin darum zu tun, daß die Unter-suchungskommission in Rom nicht aus feindlichen Parteigenossen, ausDominikanern oder Thomisten zusammengesetzt würde?) Undes gelang auch seinen Freunden, den Papst dazu zu bestimmen. Leo X.ernannte als Untersuchungsrichter den Kardinal und PatriarchenDomenicv Grim a n i. Es war bekannt, daß dieser philosophischgebildete Kirchenfürst, der Freund Elia Delmedigos und Abrahamde Balmes' 2 ), ein „Judengonner" war, als Patron des Franziskaner-ordens die Dominikaner haßte und also Partei für Reuchlin genommenhatte?) Ohne Zweifel waren angesehene Inden in Rom ebenfallsfür Reuchlin tätig; aber sie wie die deutschen Juden hatten den richtigenTakt, sich im Hintergrund zu halten, um die Streitfrage nicht durchihr offenes Hervortreten als eine Judensache erscheinen zu lassen undzu kompromittieren. Kardinal Grimani erließ hierauf (Juni 1514)eine Vorladung an beide Parteien, jedoch mit offenbarer Begünstigungfür Reuchlin, wegen seines vorgerückten Alters einen Vertreter zu senden,an Hochstraten aber sich persönlich zu stellen. Mit Empfehlungen undgespicktem Geldbeutel versehen, erschien der Ketzermeister in Rommit unerschütterlicher Zuversicht, den Sieg zu erringen. War nichtalles für Geld in Rom zu erlangen! Es ist nicht übertrieben, wieHutten den damaligen Petrusstuhl in scharfen Versen schilderte:
„Aus! ihr Männer, wohlauf, legt Hand an, lebet vom Raube,
„Mordet, vom heiligen Gut stehlet, verletzet das Recht.
„Eure Rede sei Gräuel und Eure Händel Verbrechen.
„Wälzt Euch im Pfuhle der Lust, leugnet im Himmel den Gott.
„Bringet Ihr Geld nach Rom, so seid ihr die rechtlichsten Leute:
„Tugend und Seligkeit kaust und verkauft mau zu Rom.
„Ja, auch künftig Verruchtes zu tun, verkauft mau in Rom sich.
„Drum wenn ihr toll, so seid gut, wenn ihr verständig, seid schlecht?)
Reuchlin konnte nichts dergleichen bieten; er war arm. Ihmstand nicht die Wünschelrute über die Goldschätze bigotter Weiber zuGebote und auch nicht die Zauberformel über Beichtväter, welchegeschickte Schatzgräber waren.") So weit war aber damals das Gemein-gefühl nicht, daß Renchlins Freunde zur Bestreitung der Prozcß-
Bei F-riedläuder das. Nr. 2, S. 23; Nr. 4, S. 27 ff.
h Vergl. oben, S. 40 und Bd. 8, S. 24l.
o) Über dessen Stellung zum Streite, Renchlins Brief au ihn das. Nr. l4,S. 56 ff.
Hutten an Crotus Rubianus, äs atatn Romano exiZ-rammata, über-setzt von David Strauß, Hutten 1, S. 120.
") Vergl. oben, S. 137, Anmerk. 3.