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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Der Humanistenkreis.

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des apostolischen Kommissars zu unterwerfen. Die Predigermönchein Nürnberg ließen nichtsdestoweniger den Augenspiegel öffentlichverbrennend) War es damals bei der Zerfahrenheit Deutschlandsüberhaupt schwer, den llrteilsspruch eines Richters in Vollzug zu setzen,so waren die Dominikaner noch weniger geneigt, etwas darauf zu geben,sobald er gegen sie ausgefallen war. Das Erkenntnis des Bischofsvon Speyer verlachten sie als ein von einem dummen Jungen aus-gegangenes. Den Anschlag des Urteils in Cöln riß der frechePfefferkorn ab.?) Hochstraten hatte außergerichtlich (sxtrasuäioialitsr),d. h. ohue auch uur dem als apostolischen Richter fungierenden Bischofvvn Speyer eine Anzeige davon zu machen, an den Papst appelliert,obwohl er früher eine solche Berufung verworfen hatte. Seine Hoff-nung, den Prozeß gegen Reuchlin dennoch zu gewinnen und den Augen-spiegel verdammt zu sehen, gründete er ans die Käuflichkeit am römischenHofe:In Rom ist alles für Geld zu haben," äußerte er sich offen,Reuchlin ist arm, sie, die Dominikaner, sind reich, daher wird das Rechtdurch Geld unterdrückt werden"?) Hochstraten konnte auch auf Ge-sinnungsgenossen unter den Kardinülen zählen, die, mit demselbenGeifer gegen die freie Wissenschaft schäumend, jedenfalls den Prozeßso lange Hinzuschleppen imstande sein würden, daß Reuchlins Vermögenzur Bestreitung der Kosten nicht ausreichen würde. Außerdem rechnetendie Dominikaner darauf, von einigen Universitäten, namentlich von dertonangebenden in Paris, ein Verdammungsurteil gegen den Augen-spiegel zu erlangen und damit auf die päpstliche Kurie eineu Druckausüben zu können. Sämtliche Dominikaner, Thomisten und Finster-linge innerhalb und außerhalb Deutschlands machten daher gemein-schaftliche Sache, Reuchlin zu Falle zu bringen.

Diese Kraftanstrengung der Tominikanerpartei hatte aber dieWirkung, daß sich auch die Freunde der freien Wissenschaft, die Feindeder Scholastik, der Verdummung und der kirchlichen Theologie, miteinem Worte die H u m anisten , aufrafften und zum gemeinsamenHandeln verbanden. Es bildete sich ein förmlicher Humanistenorden,eine R e n ch l i n i st i s ch e Partei (sxsroitns Renelilinistarum)im westlichen Europa, deren Mitglieder stillschweigend einander und

Reuchlin Briefs. II. Nr. 42.

?) Bei Friedländcr Beiträge 29 f.

Friedländers Beiträge Nr. 9, S. 46: Reuchlin an Qnestenbcrg: 6oeps-rnnt enim isli trnterenli aginä uos tninain ZxaiAsrs in vnIZU8: Loinninesse vsnalein, ins i>anpsrem, 8S clivttes, oinus sn8 insuin anro P088SoggnZuari st 8npxriini. Ders. an dens. das. Nr. 4, S. 27: anclio !>clvei'8nrüiw 8eüein apMtoli aWellaruut extrasrnlieialiter, nt ins Ioiig'in8 vexent etiw extrsuinin tan <l ein panxei tatein recliKant, treti sarnin innltitmlins -csinenclioitats nsvunia.8 vstnlarnin 8eiiiiisr eoi'roäsuts.