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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Dominikanern gezeigt wurde. Darum bat Reuchlin den LeibarztBauet de Lates, da er sich stets in den päpstlichen Gemächernbewege und derLeib seiner Heiligkeit" seiner Hand übergeben sei,Leo X. dafür zu gewinnen, daß die Untersuchung nicht in Cöln oderin dessen Nähe geführt werden sollte; denn da wäre seine Sache ver-loren. Reuchlin teilte ihm den ganzen Hergang mit, wie Pfefferkornund die Kölner Dominikaner sich gegen die Juden und den Talmudverschworen und wie nur seine außerordentliche Bemühung den Talmudbisher vor dem Scheiterhaufen gerettet habe. Hätten die Dominikanerdiesen Brief in die Hände bekommen und lesen können, so hätten sieden vollgültigen Beweis von Reuchlins Judenfrenndlichkeit führenkönnen; denn darin gab er vieles zu, was er öffentlich bestritten hatte.

Es läßt sich denken, daß Bonet de Lates seinen Einfluß beim Papstzugunsten Reuchlins geltend geinacht hat. Wahrscheinlich ist es seinen:Eifer zuzuschreiben, daß Leo sogleich (schon am 21. November 1513)ein Breve an die Bischöfe von Speyer und Worms erließ, die Streitfragezwischen Reuchlin und Hochstraten zusammen oder je einer, selbstoder durch delegierte Richter zu untersuchen und mit Ausschluß jedesanderen Tribunals das Urteil zu füllen, dem sich die besiegte Parteiohne Widerrede zu unterwerfen habe.H Der Bischof von Worms,einDalberg, mit den: Reuchlin auf freundschaftlichen: Fuße stand,mochte die Kommission nicht annehmen. So setzte der junge Bischofvon Speyer, Georg, Pfalzgraf und Herzog von Bayern, zweiRichter ein, T h o m a s v o n T r u ch s e ß und v o n S ch w a l b a ch,welche beide Parteien binnen Monatsfrist (20. Dezember) vor ihrTribunal in Speyer vorluden. Reuchlin erschien, von einen: Prokuratorund anderen Freunden begleitet, pünktlich. Hochstraten dagegen,auf die Macht der Dominikaner vertrauend, stellte sich nicht, noch sandteer einen förmlich genügenden Sachwalter. Er trug ganz offen Ver-achtung gegen die Kommission, den Bischof, ja selbst gegen den Papstzur Schau. Die Richter betrieben den Prozeß anfangs nicht mit ge-bührenden: Nachdruck, vielmehr mit einer gewissen Mattherzigkeit,vielleicht aus Furcht vor der Rache der Dominikaner. Und so zog sichder Prozeß ein Vierteljahr hin (Januar bis April 1514). Die CölnerDominikaner hatten sich sogar erlaubt, ans Grund der Mainzer Sentenz

U Ausführlich in den ^otu luciioiornw bei v. der Hardt a. a. O. vonp. 98 bis p. IlS. Auch Reuchlins Briefe iu FriedläudcrsBeiträge" erstatte»Bericht darüber, Nr. 5 au Kaspar Wikt und Nr. 2 au Questeuberg. Derletztere trägt zwar das Datum April ISIS; allein da darin vom SpeyerscheuProzeß und von dem Verbrennen des Augenspiegels in Cöln die Rede ist, soist das Datum offenbar korrumpiert; es muß heißen 15tk, was der Herausgeberbei diesem und dem folgenden Brief an den Kardinal Hadrian von: 29. Dez.übersehen hat.