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Geschichte der Juden.
prophetischen Blick bekundet. Die Dominikaner erzählten sich auch,daß Reuchlin mit Rabbinern heimlich verkehrt habe. Joselin hatte zurselben Zeit vom Kaiser Maximilian ein Privilegium erlangt, des Inhalts,daß die Juden in Deutschland unter kaiserlichem Schutz stehen. DiesesPrivilegium sollte sie besonders gegen die boshaften WühlereienPfefferkorns und der Dominikaner schirmen (1513)4)
Indessen war Reuchlin noch lange nicht so weit, über seine undder Juden Feinde triumphieren zu können. Diese waren, wenn auchfür den Augenblick gedemütigt, noch lange nicht überwunden. Reuchlinkannte ihre List und Bosheit zu sehr, als daß er sich der Siegesfreudeuntätig hätte überlassen sollen. Er wußte wohl, daß sie ihre Ver-folgung gegen ihn von jetzt an verdoppeln würden. Daher beeilte er sichauch, die Berufung an den Päpstlichei: Stuhl anzumelden, damit vondort aus seinen erbitterten Feindei: Stillschweigei: auferlegt werde.Reuchlin fürchtete aber mit Recht, daß bei der Unzuverlässigkeit undKäuflichkeit der Päpstlichei: Kurie seine Sache eine schlimme Wendungnehmen könnte, wein: die Untersuchung außerhalb seines Gerichtsbezirkesunter dem Einfluß der Cölner Dominikaner geführt werden sollte.Daher wandte er sich an den jüdischen Leibarzt des Papstes Leo X.,an Boi: et de Lates?) mit einen: Hebräischei: Briefe, ii: welchen:er ihn bat, den Papst günstig für seine Sache zu stimmen.
L e o aus der erlauchten florentinischen Familie der Mediceer, vondem sein Vater sagte, er sei der klügste seiner Söhne, hatte erst einig?Monate vorher den päpstlichen Stuhl bestiegen. Er war eii: vornehmerHerr, der sich mehr für Politik als für Religion interessierte, mehrrömischer Heide als katholische Christ war, der von seiner olympischenHöhe mit Verachtung auf theologische Streitfragen wie auf Kinder-spiele herabsah und nur darauf bedacht war, wie er zwischen den zweieinander befehdenden Staaten oder richtiger Häusern, Habsburg undValois, ohne Gefährdung der weltlichen Interessen des Papsttumshindurchlavieren könnte. Mit einer heute überraschenden Offenheitdurfte dieser Papst die Äußerung tun: „Wie viel die Fabel von Christusuns und den Unsrigen genützt hat, ist bekannt"?) Ihm war nun dieFrage zur Entscheidung vorgelegt, ob Reuchlins „Augenspiegel" nachKetzerei rieche und ob er die Juden nach Gebühr oder über Gebührbegünstigt habe. Leo, dessen päpstliche Regierung in eine Zeit fiel,wo die theologischen Fragen Europa in Brand zu stecken drohten,verstand aber davon vielleicht weniger als sein Koch. Es kam also daraufan, in welchem Lichte ihn: die Streitfrage zwischen Reuchlin und den
h Aktenstück des Frankfurter Stadtarchivs in Levus ck. M. XVI. 184.
2) Vergl. Note 2.
o) Huautum uobis nostriseius illa äs Obristo tabula protusrit, satis sstOmnibus saeoulis uotum (Iloruaeus bistoria papatus p. 820).