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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

um acht Uhr zu stellen, um wegen Begünstigung der Juden und Ge-ruches der Ketzerei gerichtet zu werden. Er hatte keine Jnquisitions-gewalt über Reuchlin, da dieser zun: Bistum Cvnstanz gehörte. SeineVorladung entbehrte jeder Förmlichkeit und war noch dazu in ver-letzendem dutzenden Tone gehalten, als wäre Reuchlin schon ein über-führter, der Verdammnis verfallener Ketzer, gegen den man keinenAnstand zu beobachten brauche. Reuchlin hätte sich über die Vorladunghinwegsetzen können, da sie nach jeder Seite hin widerrechtlich war.Nichtsdestoweniger sandte er, da er wegen vorgerückten Alters undSchwäche selbst nicht erscheinen konnte, einen Sachwalter nach Mainz,nur gegen dieses gewalttätige Verfahren zu protestieren. An: be-stimmten Tage (20. September) fand sich Hochstraten mit einer Scharvon Dominikanern in Mainz ein, wählte beliebig aus Gesinnungs-genossen Richter zu einer Kommission aus, eröffnete die Sitzung undtrat zugleich als Ankläger und Richter in einer Person auf. Er hattevorher eine geharnischte Anklageschrift gegen ReuchlinsAugenspiegel"und den Talmud ausgearbeitet.H Er hatte sich auch vorsichtig nachBundesgenossen umgesehen, um in diesem ernsten Streite nicht alleinzu stehen. An vier Universitäten hatte er kurz vorher Schreiben ge-richtet und sie gebeten, sich gutachtlich über Reuchlins SchriftAugen-spiegel" zu äußern, natürlich in seinem Sinne, und alle hatten seinerErwartung entsprochen. Die theologische Fakultät von Löwenhatte erklärt?) Sie habe aus Gefälligkeit gegen Hochstraten denAugenspiegel" untersucht und gefunden, daß er voller Jrrtümer undverdächtiger Behauptungen sei, und namentlich Zustimmung zu demhartnäckigen Unglauben der Juden enthalte. Er sei daher nicht nurden: Gebrauche zu entziehen, sondern auch zu verbrennen.

Wie das Urteil des Cölner Dekanats ausgefallen ist, läßt sichohne weiteres denken, da Hochstraten Dekan desselben war und alsofür sich selbst Zeugnis abzulegen hatte. Was die Löwener Fakultätnicht auszusprechen gewagt hatte, das stellte die Cölner auf^), daßReuchlins Schrift nicht nur Jrrtümer, sondern geradezu Ketzereienenthalte, daher sei sie den: Scheiterhaufen zu überliefern und aus demAndenken der Menschen zu vertilgen. Die lange Auseinandersetzung istin einem widerlich salbungsvoll - kirchlichen Tone gehalten. DieErfurter Fakultät hattet sich auf ihr früheres Gutachten berufen, daßder Talmud und das jüdische Schrifttun: abzutun sei; sie hatte aberauch ehrlich eingestanden, daß sie in Reuchlins Schrift nichts Ketze-risches und Widerkatholisches gefunden. Nur unwillkürlich seien ihn:Jrrtümer und namentlich Günstiges für die Juden entfahren. Jeden-falls verdiene das Buch vernichtet zu werden, aber ohne Makel für

*) Eingang der .-leta ckuäioiorum. 28 . Juli 1513 s. Note 2.

16. August dcss. Jahres. vom 3. Sevt.