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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Hochstmten als Ketzerrichter gegen Reuchlin.

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Tongern. Von jetzt an trat er selbst in den Vordergrund mit einer sounverschämten Anmaßung, als müßten sich alle, Geistliche und Welt-liche, vor ihm beugen, vor seiner Brauenbewegung in den Staub sinken,als ob er das Recht hätte, Satzung und Herkommen mit Füßen zutreten. Nur das geschwächte Ansehen des Ordens durch Gewaltmittelzu retten, mußten sämtliche Dominikaner gemeinsame Sache machenund allen Eifer anwenden, um Renchlins und des Talmud Ver-dammung durchzusetzen. Ter Kampf erhielt dadurch eine große Aus-dehnung, er wurde Ordensangelegenheit.

Unüberlegt, wie der Kaiser in dieser Angelegenheit überhaupt seineWillensäußerung erlassen hatte, hatte er in seinem Mandat, daß beideTeile Stillschweigen beobachten sollten, nur einerseits Reuchlin undanderseits Pfefferkorn und Arnold von Tongern namhaft gemacht.Dadurch blieb es den Spießgesellen der letztem unbenommen, Reuchlinunter einein anderen Namen öffentlich anzugreifen oder gar anzuklagen.Reuchlin fürchtete mit Recht, daß die Cölner Dominikaner, auf dieseUnbestimmtheit gestützt, ihm keine Ruhe lassen würden. Er bat darumflehentlich den Erzieher und Berater am Hofe des Kurfürsten Friedrichvon Sachsei:, diesen zu bestimmen, auf den Kaiser eiuzuwirken, daßer jedermann ohne Ausnahme Stillschweigen auflegen möchtet) Diesersein Wunsch erfüllte sich nicht, und was er befürchtet hatte, traf ein.Er wurde noch härter bedrängt.

Angeblich von seinem Provinzial dazu ermächtigt, 2 ) erließ Hoch-strateu plötzlich (15. September 1513) als Inquisitor ein Zitations-schreiben an Reuchlin, sich binnen sechs Tagen in Mainz des Morgens

U S. Note 2.

'si Die Verlogenheit Hochstratens oder des Domiiiikaiierproviilzials ergibtsich aus der Konfrontierung zweier Äußerungen, die von Renchlins Biographenunbeachtet geblieben ist. Der erstere behauptete bei der Eröffnung der Unter-suchung, er habe dazu die Ermächtigung von seinem Ordens pro-vinzial: inssrsncko (Uociwtraten) in eacksm eitations cominissronsmsni pro vincial is cmm piivileZiv orckinis (^Vcta .lucliciorum bei von derHardt a. a. O. p. 81b). Dagegen schrieb später der Provinzial Evcrhardvon Cleve im Namen des ganzen Ordens (Mai 1.726) an den Papst: Hoch-straten habe diesen Streit 0 h nc A n ftrag v vn s ei nein Orden u nternv m m e nund sortgeführt: 6nm tamen negns nu8pieii8 nostris, ncgns con-8ilio a, nt snb 8i<I io nllo praeckictns ingnisitor (llocbstiatsu) baue litemvol snseepsrit vsl sit prosscntns (Friedländer, Beitrüge zur Refor-mationsgeschichte, Briefe Nr. II). Einer von beiden, Hvchstraten oder Evcrhardvon Cleve, hat also geradezu gelogen. Den Tag der Zitation gibt Reuchlinselbst deutlich au im Sendschreiben an Wimphling (bei Hahns I. o. p. 380):17 llal. Oetobr. 1. Hocbstraten inisit ml ms scriptum. In den .lot. Incli-eiurnin 1. e. p. 81a. ist dagegen ein falsches Datum: ckie nona mensis Lepr.Auch andere Daten in den ricta. sind nicht zuverlässig. Bei Meiuers a. a. O.p. 172 ist wohl als ein Druckfehler anzusehen: ö. Sept. statt ll. Sept.