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Geschichte der Juden.
ihrer gefährlichsten Höhlen sv zn reizen, zu treten und zu verwunden,das erweckte ihm den Beifall und die Bewunderung der verschiedenstenKlassen, nicht bloß der Humanisten und Weltlichen sondern auch derhohen und uiedern Weltgeistlichen, welche die Tyrannei der Prediger-mönche unwillig ertrugen, der übrigen Orden, welche durch derenAnmaßung in den Schatten gedrängt waren, und der Hofkreise, welcheihre Pläne oft durch die unerträgliche Einmischung der Dominikanerdurchkreuzt sahen. Diese cirerouianische Beredsamkeit, dieser tief-empfundene, unwillkürlich durchbrechende Unwille, diese Ironie, alles,selbst die uns darin als Ballast erscheinende Gelehrsamkeit aus derklassischen, biblischen und kirchsnväterlichen Literatur und die Wort-witze im Geschmack jener Zeit, alles war in dieser Schrift richtig an-gelegt, einen tiefen Eindruck zu machen, einen um so Liefern, alsReuchlin kein Raufbold, sondern als ein ruhiger, sanfter, friedliebenderMann bekannt war. Die Humanisten waren entzückt über Reuchlinsmutigen Angriff auf die Dunkelmänner. Nur die Schwachmütigenunter ihnen tadelten seine Heftigkeit und Derbheit. Reuchlin setzteihnen die richtige Bemerkung entgegen, daß man weit eher in philo-sophischer Ruhe den Tod über sich ergehen lassen könne, als Angriffeauf die Ehre zu dulden.
Der Krieg zwischen Reuchlin und den Dominikanern brach seitdemerst recht gewaltig aus. Der Kaiser Maximilian, an den sich beideParteien mit ihren Schriften gewendet hatten, war nicht imstande,den Streit zu schlichten. Er zeigte sich gerade in dieser Angelegenheitvon außerordentlicher Schwäche des Geistes und Unselbständigkeitdes Charakters. Je nachdem sein Beichtvater oder einer seiner huma-nistisch gesinnten Geheimschreiber sein Ohr hatte, schrieb er das eineMal an Reuchlin, er werde ihn gegen die übermütigen Angriffe derCölner Dominikaner schützen, und erließ das andere Mal ein Mandat,Reuchlins Verteidigung zu unterdrücken.*) Zuletzt legte er beidenParteien Stillschweigen auf (Juni 1513). Aber der Streit ließ sichnicht mehr beilegen. Die Dominikaner konnten die ihnen beigebrachteNiederlage nicht in christlicher Demut hinnehmen; es handelte sichjetzt um ihren ganzen Einfluß, d. h. um ihre Existenz. Sie sannendaher auf eine entschiedene Rache, verwickelten sich aber immer tiefer indie eigenen Schlingen und brachten dadurch sich und den Katholizismusin Verachtung.
Bisher hatte sich der Haupturheber des ganzen Skandals, dergiftig boshafte Ketzermeister Jakob Hochstraten, hinter derLinie gehalten und nur nach und nach seine Kreaturen ins Feuergeschickt, zuerst Pfefferkorn, dann Ortuin Gratius nnd Arnold von
*) S. Note 2.