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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Reuchlins Schrift gegen die Kölner. 125-

nehmen, weil ich ausgesprochen habe, die Juden seien unsere Mit-bürger. Nun, mögen sie noch mehr vor Zorn rasen und bersten, wennich sage, die Juden seien unsere Brüder, ja, die Brüder des Arnold,die Brüder der Kölner Theologisten, nicht deswegen, weil sie den-selben Schöpfer zum Vater haben, sondern weil wir mit ihnen den-selben Stammvater haben. Das war auch die Ansicht einiger Kirchen-väter."

Mit derben Keulenschlägen zermalmte Reuchlin ferner Arnoldwegen seiner Schriftverdrehung. Dieser hatte nämlich den penta-teuchischen Vers:du sollst eine Zauberin nicht leben lassen," wieder-gegeben:du sollst keinen Übeltäter auf Erden am Leben lassen"^)und die teuflische Folgerung daraus gezogen:Weil die Juden vieleÜbeltaten, Ketzereien, Lästerlichkeiten, Verspottungen Christi, der Kircheund der heiligen Schrift sich zuschulden kommen lassen, darum sollenwir nicht dulden, daß sie in einem Winkel der Erde am Leben bleiben.'"O, unwürdiges Wort eines Gottesgelehrteu, unwürdig einesPriesters, der nach Menschenblut dürstet", so rief Reuchlin aus.

Über den Widerspruch, den ihm Pfefferkorn und Arnold vonTongern vorgerückt hatten, daß er selbst früher in seinen: Sendschreibenan einen Junker judenfeindlich geschrieben, suchte er durch logischeSpiegelfechtereien hinwegzukommen, gab aber zu verstehen, daß erdamals Unrecht gehabt hätte. Überhaupt nahm er sich seit der offenenKriegserklärung gegen die Dominikaner der Juden durchweg kräftig mmTer Anführung der Judenfeinde, daß die Juden für den Untergang desrömisch-christlichen Reiches beteten, setzte er eine andere entgegen, daßein Lehrer des Talmuds eingeschärft habe:Betet für das Wohl desReiches" und fährt dann fort:Wozu führt der Verleumder seine ge-tauften Juden, seine Mitschuldigen, dagegen als Zeugen an? Soll ichihnen glauben, ihnen, welche gegen mich offenbare Lügen schmieden?Wenn sie das mir, einen: Christen, autun, was nun erst den Juden!"Zum Schluß setzte er seinem Verleumder ein Denkmal:Arnold ausTongern, Verleumder und Fälscher für alle Zeiten." Reuchlin über-reichte selbst dem Kaiser seine Verteidigungsschrift (Juni 1513), unddieser nahm sie wohlwollend auf.?)

Diese Verteidigungsschrift Reuchlins, die bald durch den Truckverbreitet wurde, war der erste kräftige, nachhaltige Streich einesRiesen gegen einen der Köpfe der giftigen Hydra, und er hallte in:ganzen christlichen Europa wieder. Tie gewaltigen Dominikaner, vorwelchen sich Kaiser und Päpste fürchteten, diese Schlangen in einer

") Exodus 22, 17 n'no nb übersetzte von Tongern; Naletlornn non

patiaris vivers super terraru nach der Vulgata!

?) Reuchlins Briefs. II. vorletzter lat. Brief von Jakob Spiegel, Kaiser!.Sekretär, an Jakob Faber sUstevre); vergl. Note 2.