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Geschichte der Juden.
Du darauf nicht eingehen wirst, werden sie unaufhörlich gegen mich bellen— glaube es mir nur — daß ich mich der Begünstigung der Juden ver-dächtig gemacht, und daß ich nicht ehrfurchtsvoll genug von den theolo-gischen Schriftstellern, d. h. von den Kölner Theologisten denke." —
Seine im Vordergrund stehenden Gegner vernichtete Reuchlinförmlich mit seinen wuchtigen Schlägen. „Zum Führer haben sichdie Kölner Dominikaner erwählt Arnold von Tongern, der sich lieberso nennt als aus Tongern, weil er aus seiner Geburtsstadt wegeneines Verbrechens verbannt wurde. Und selbst seine Genossen nennenihn einen Weltpriester, damit nicht der an ihm haftende Schandfleckdem Orden zur Last gelegt werde. Dieser Fahnenträger hat zu seinenbeiden Seiten einen Halbjuden Pfefferkorn und einen Halb-heiden O r t u i n G r a t i u s, der sich als Poet ausgibt, in heidnischenWeisen Verse macht und nicht einmal das Rechtschreiben versteht. MögeDieser gemietete Korrektor für die Druckerei die Elemente lernen, stattkindische Verse zu schmieden." Einen Halbheiden nannte er Ortuin<hratius deswegen, weil er sich in dem Einleitungsgedicht des Aus-druckes bedient hatte, die unbefleckte Maria sei Jupiters Mut -t e rU) Die Lehre der katholischen Kirche hält aber Jupiter, wie sämt-liche Götter des Heidentums, für böse Dämonen. Ortuin habe dem-nach eine Gotteslästerung und eine Ketzerei ausgesprochen, ein derberRückschlag gegen die Ketzerrichter. Zwei Teilnehmer an der Anklage-schrift des Arnold von Tongern, die sich hatten verleiten lassen, Epi-gramme dazu zu liefern, darunter der edelmännische DichterHer -mann von dem Busche, diese „zwei Trompeter" verschonteReuchlin oder fertigte sie kurz ab, ohne ihre Namen zu nennen.?)
Ten von Tongern gemachten Hauptvorwurf, das Steckenpferd derDominikaner, daß Reuchlin sich als Gönner der Juden erwiesen habe,nahm er in seiner Verteidigung mutig auf sich. Ja, er habe die Judenbegünstigt, wie es Jesus, die Apostel, die Kirchenväter, die Päpsteund die Kaiser getan hätten, wie sich die Richter der Juden in ihrerProzeßangelegenheit annähmen und sie gegen Ungerechtigkeiten ver-teidigten.?) Auch er habe sie verteidigt, damit ihnen nicht Unrechtund Gewalt geschähe. „Ich weiß, daß ineine Gegner es mir übel
^) Arnold hatte in einem lat. Verse die Worte gebraucht: Hst 1ovi8 ab»»,xaren», repstit snn volnsrn lesns.
?) Uetensio a. a. O. p. 71 unten, vergl. mit Briefs. Il Nr. 40.
?) Das war im Mittelalter keineswegs unbedingt wahr. Manche Richterhatten kaum ein halbes Jahrhundert vorher Gewissensbisse, wenn sie einen,Juden in einem Prozesse mit einem Christen das Recht zuerkcnnen sollten. DerKaiser Friedrich III. mußte erst die Kurie befrage», und der Papst Paulus mußteentscheiden, daß das keine Sünde sei; Aktenstück v. Jahre 1469, mitgeteilt vonLhmel, Materialien z. östr. Gesch. II. S. 606 f. und Kn^üir, Jahrg. 1863 S. 67.