Reuchlius Augenspiegel.
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Man kann sich denken, welches Aufsehen ReuchliuZ „Augen-spiegel" in deutscher Sprache gemacht hat, als er zur Zeit der Frank-furter Messe erschien, damals der Sammelplatz von Tausenden, zueiner Zeit, wo es noch keine Öffentlichkeit gegeben hat und jedermanneiner Skandalgeschichte volle Aufmerksamkeit schenkte. Daß ein ge-feierter Mann, wie Reuchlin, der zur höchsten Beamteuaristokratiegehörte, einen Ankläger der Juden als Verleumder, Lügner und Wichtan den Pranger stellte, war so neu und überraschend, daß sich die Leserdie Augen rieben und sich fragen mußten, ob sie nicht bisher wie in einemTraum geduselt hätten. Tie Juden griffen noch gieriger nach der Schrift,weil zum erstenmal ein Ehrenmann mit gewichtiger Stimme für siein die Schranken trat und die so oft wiederholte Anschuldigung gegensie als Verleumdung brandmarkte. Sie jubelten, daß sie endlich einmaleinen Verteidiger gefunden und dankten Gott, daß er sie in ihrer Notnicht verlassen. Wer will es ihnen verargen, daß sie für Verbreitungder Reuchlinschen Schrift geschäftig waren?Z
Am meisten jedoch sorgten die Finsterlinge vom Gelichter derKölner selbst für deren Verbreitung. Peter Meyer, einer derunwissendsten und unverschämtesten Prediger (in Frankfurt), so wie erReuchlins Schrift zu Gesichte bekommen und bei einein guten Frühstückmit Pfefferkorn einiges darin gelesen hatte, rief im Zorn: „Anden Galgen damit, an den Galgen damit!" — Er geberdete sich über-
y Das Dekanat der Kölner theol. Fakultät, d. h. Jakob Hochstraten, inReuchlins Briesfammlung II, Sir. 12: llmlaei.8 ixsis, gut (nti nobis relatninest) baue tumn tractatniu varnacnla in>8tra UnKna säitnm kt imprsssniu,IsAunt et circuint'srnut, occamonei» i>rac8titi8ti, cm» amplina nos irri-dcant, gnaullo luter Obristiauoa et guidem intsr sos, gni clocti reputantnr,ts nuieuiu iuveueiint, gni 8nam can8ain a^at, tneatnr ne üstemlut.Pfefferkorn, — 6laK. O. 3b: „Und da nun die Juden ans allen Landen dawaren, da kauften sic Deinen Augenspiegel allenthalben und konnten seinerniet satt werden." — Auch Lstensio contra t'amoüas 8. 3 und II. 2. PeterMeyers Schreiben an Arnold von Tongern vom Februar 1512: Oouriuatiove8tra sig'uittcat, gnid ds libello Lencblini actum 8it et Aandso velle-msnter .... ne impii dudaei de no8tra reliKions ri8uiu äs cetera, ntIiactenu.8 tecsrunt, ntoveaut, gnia inanits8ts nobiscnm llixsrint, gnollOominne nnngnain lleeernit 808 , 8kd 8smper novo8 inittit dske»8ore8.Der Vers, der Ostsncho contra tamo8a8 <ici es Pfefferkorn oder ein anderer)bezieht diesen Brief P. Meyers ans Reuchlins Anklage gegen die Cölner.Allein da diese erst 1513 erschien, das Schreiben aber vom Februar 1512 datiertist, so kann unter IibsIIn8 nur der Augenspiegel verstanden sein.
Die Empfindung der Juden bei diesem Borgange gibt Joselins Tagebuchivieder (Nr. 5): rin'!-: (? .ns bxav) nim MLr: c' 2 'm wp
NIM nnn.ib l? ruon» ir.n.-:) rn:i.8 "L:n 01 '" 2.71
tnni - . n: F- .ML rnnxi': cmnLi acr: ,in 1-02
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