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Geschichte der Juden.
lehre nicht selbst verfaßt habe. Würdig ist auch sein Auftreten für dieJuden. Der Schelm Pfefferkorn hatte ihm auch zum Bvrwurf gemacht,daß er von den Juden hebräisch gelernt und alsv mit ihnen verkehrthätte, was gegen die kanonische Satzung verstieße. Darauf Reuchlin:„Der getaufte Jud schreibt, das göttliche Recht verbiete mit denJuden Gemeinschaft zu haben, das ist nicht wahr. Es mag jeder Christvor Gericht mit ihnen rechten, von ihnen kaufen, ebenso ihnen etwasschenken oder geben. Es kann ein Fall Vorkommen, daß ein Christmit einem Juden eine gemeinsame Erbschaft antritt. Man darf auchmit ihnen sprechen oder von ihnen lernen, wie der heilige Hieronymus,und Nikolaus de Lyra getan haben. Und endlich soll ein Christ den Judenlieben wie seinen Nächsten; das alles ist in den Gesetzen begründet."— Hin und wieder hat der „Augenspiegel" auch beißenden Witz. Pfeffer-korn hatte aufgestellt, der Jude sei wie der Teufel geartet. DaraufReuchlin, die wahre Philosophie sei anderer Meinung darüber. Solltees aber wahr sein, so sei es nicht zu verwundern, daß Pfefferkorn soviel Unwahrheit aufgestellt habe, weil er der teuflischen Natur teilhaftigsei und teuflische Milch getrunken habe. — Reuchlin sagte ihm ins Gesicht,er verstände sehr wenig hebräisch und habe in seinen judenfeindlichenSchmähschriften nichts neues aufgetischt, das nicht schon früher inlateinischer Sprache geschrieben wäre, das eine ausgenommen wie„die Inden den Hühnern und Fischen beichten", das ist die köstlichsteWissenschaft, womit er die christliche Kirche beschenkt hat.ch
Indessen tat Reuchlin auch Pfefferkorn in manchen PunktenUnrecht. Er behauptete, dieser habe den „Handspiegel" nur umGewinnes willen veröffentlicht. Da er eingesehen, daß man seinerJudenbüchlein satt geworden und er als Ungeheuer nicht mehr über dieJuden schreiben könne, daraus er Geld wie bisher lösen könnte, sowolle er sich mit den Christen herumstreiten, um eine neue „Materiefür Geldgewinn zu haben; denn er hat jetzt mehr Gulden ans mirgelöst, als Judas Pfennige ans unserm Herrgott." — Nein, nein,Geldgewinn allein hat Pfefferkorn nicht bewogen, auch nicht Leichtsinn,die Juden und Reuchlin zu verunglimpfen, sondern Haß und Rache-gefühl gegen die echteren und Notwehr gegen den letzteren. Tenn wiesehr es auch Reuchlin in seinem „Augenspiegel" beteuerte, er> habeihn nicht in seinem Gutachten an den Kaiser angegriffen, so war daseine Selbsttäuschung. Pfefferkorn war allerdings der Heransgeforderteund Angegriffene, weil er aber die Fehde mit plumpen Fanstschlägenund Kotwerfen gegen einen so hochgestellten und feingebildeten Manngeführt, hatte dieser auch das Recht, ihn mit wuchtigen Schlügen zuzermalmen.
*) Augenspiegel a. a. O. p. 47 b und p. 53; die 32ste Unwahrheit.