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Geschichte der Juden.
einen Würdenträger, und noch dazu in deutscher Sprache zu jedermannsVerständnis geschrieben. Reuchlins Freunde — und deren gab es nichtwenige — waren über die Unverschämtheit eines getauften Juden,der sich rechtgläubiger geberdete als ein in Ehren stehender geborenerChrist, und der sich herausnahm, ihn mit Schmähungen zu überhäufen,mit Recht empört. Als Pfefferkorn mit einer neuen Ladung Anklagenin die Hofburg kam, fuhren ihn die Hofleute, der PropstZobelund der gebildete Patrizier Peutiuger wegen seiner Schmähungenhart an?) Tie Cölner Dominikaner hatten darin ihrem giftigen Hassemehr uachgegeben, als die Klugheit riet. — Gegen solche Angriffemußte Reuchlin etwas tun; seine Ehre war zu tief verletzt. Zunächsteilte er zum Kaiser Maximilian und führte Klage gegen seinen boshaftenVerläumder Pfefferkorn, unter dessen Namen der „Handspiegel"erschienen war. Ter Kaiser gab durch Wort und Geberden seinen Un-willen über diese Schmähschrift zu erkennen und beruhigte den auf-geregten Reuchlin mit der Aussicht, die Angelegenheit durch den Bischofvon Augsburg untersuchen zu lassen. Aber im Drange der Geschäftein der Verwicklung der italienischen Händel, vergaß er — wie die Großender Erde zu allen Zeiten — Reuchlin, die ihm widerfahrene Kränkungund die ihm versprochene Genugtuung. Die Frankfurter Herbstmessenahte heran, auf welcher Pfefferkorn den Rest der Exemplare feilbietenwollte, ohne daß für Reuchlin etwas dagegen geschehen war?)
Sv war denn Reuchlin gezwungen, für die Talmudfrage als einepersönliche Angelegenheit einzutreten, die öffentliche Meinung alsRichterin anzurufen und dadurch der Sache einen weittragenden Klangzu geben. Er bereitete eine Berteidigungs- und Anklageschrift gegenden „Handspiegel" für die Frankfurter Messe vor. Vorher versuchteer aber manches, was er in seinen: Gutachten teils allzu günstig, für dieJuden und teils nicht juristisch beweisend dargestellt hatte, abzuschwächen,zu berichtigen und die Ausstellungen dagegen im „Handspiegel" vonvornherein zu widerlegen. Er schrieb 52 Artikel, angeblich an den Erz-bischof Uriel von Mainz als Nachtrag zu seinem Gutachten (18. August1511).
Kurz darauf (Ende August oder Anfang September) erschien seineweltgeschichtlich berühmt gewordene Gegenschrift „A ugeuspiegel"(eine Brille auf dem Titelblatts gezeichnet), die er in aller Eile druck-fertig gemacht hatte. Damit wollte er die Gemeinheit Pfefferkornsund seiner Mitarbeiter den: deutschen Publikuni in scharfen Linienzeigen, aber damit deckte er, ohne es zu wollen, die Blößen des da-maligen Christentums auf. Das war eine Schrift, von der inan ohne
Pfefferkorn vskensio contra kan:osa8 Lx.
2) Einleitung im Augenspiegel und in veleusio Ilenclüiui contra catnin-niatores Oolonisimes.