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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

Reuchlin wird von den Juden gerühmt, folglich ist er bereits ihnenverfallen." Das seien so die jüdischen Künste, Christen in ihr Netzzu locken." Dafür führte der Verfasser desHandspiegels" haar-sträubende Geschichten an, wie die Inden einige Christen zum Abfallvom Christentum verlockt Hütten, Geschichten, die eben so gut ganzerfunden wie halbwahr gewesen sein können. Ein christlicher ArztThomas, ein wohlberedter Mann, der viel mit Juden verkehrte,habe Jesus verleugnet, sich heimlich zum Judentum bekannt, mit ihnenin den' Fastenzeiten gelebt und entsetzlich nahe an 600 Christenmit Arznei vergeben. Dieser Doktor Thonras habe auch nach Anleitungder Juden Christen zum Abfall vom Glauben verleitet, unter anderensogar einer: Priester in Aßmannshausen (Rheingau) und dieser wiederZwei junge Christenknaben. Pfefferkorn will alle diese abgefallenenChristen, den Doktor, den Pfarrer und die Kinder in Prag gesehen haben,von wo sie nach der Türkei oder Reußen (Polen) ausgewandert seindürften. Desgleichen sollten die Juden es einem christlichen Botenaus Deutz jüngsthin angetan und ihn dermaßen verführt haben, daßer die Gebetriemen angelegt hätte. Dabei betroffen, sei derselbevom Ketzermeister (Jakob Hochstraten?) zu ewiger Kerkerstrafe beiWasser und Brot verurteilt worden.

Pfefferkorn teilt dabei einen nicht uninteressanten Roman mitvon einem judenfeindlichen Mönch in Erfurt, der nicht lange vorher vonden Juden durch List zun: Übertritt berückt worden wäre. Dieser jungeBarfüßer habe öfter von der Kanzel gegen die Juden gedonnert,ihre Schmähungen, ihren Wucher und ihre leichte Beschäftigung ge-geißelt und das Volk gegen sie gehetzt. Vergebens hätten die Judenversucht, ihn durch Geschenke zum Schweigen zu bringen, vergebens denBürgerrat beschworen, ihnen gegen den fanatischen Mönch bei-zustehen. In der Verzweiflung der Juden habe sich ein alter Rabbierboten, Hilfe zu schaffen, wenn ihn: dazu 1000 Gulden zur Verfügunggestellt würden. Er habe damit angefangen, den Bettelmönchenregelmäßige Gaben an Brot und anderen Nahrungsmitteln zu ver-abreichen unter dem Vorwände, dadurch die Sünde des Wuchers,deren er sich bisher schuldig gemacht, zu büßen und sein unrechtmäßigerworbenes Vermögen würdigen Christel: zukommen zu lassen. Dieseungewöhnliche Büßfertigkeit des Rabbi habe ihn den Mönchen undsogar den: grimmigen Prediger nahe -gebracht. Schon träumte derletztere, den Rabbi in den Schoß des Christentums zu führen, da diesereinige Geneigtheit dazu zu zeige:: schien. Zun: Erstaunen sah die Be-völkerung von Erfurt den Barfüßer und den Rabbi stets zusammen.Der erstere scheute nicht das Haus des Jude::, der letztere nicht das Kloster.

Der Rabbiner hatte eine schöne Tochter. Diese zu bekehren,forderte er den Mönch geradezu auf, dem er sie als Waise und als