Pfefferkorn gegen Reuchlin.
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und dem Kirchenvater Hieronymus angeführt. Nebenher wird bemerkt,daß Reuchlin das Hebräische, auf das er stolz tue, wenig kenne; nurlateinisch oder deutsch verdolmetschte Wörter verstände er, aber er lesesie so holperig, „wie wenn man einen Esel treppauf treibe". Seinehebräische Grammatik sei gar nicht von ihm selbst verfaßt; Juden hättenihm dabei geholfen. Wenn er nun in diesem Punkt ein Stümper sei,wie dürfte er sich herausnehmen, ein Urteil abzugeben und an Fürstenund Herren zu schreibe», die Juden sollten nicht als Feinde, sondernals Mitbürger des römischen Reiches geachtet werden?
Die verwundbarste Stelle an Reuchlin war sein fünf Jahre vorhererlassenes Sendschreiben an einen Junker über die Juden (o. S. 83),worin er mit ebenso dickem Vorurteil, ebenso vielen falschen Schlüssen,nur ohne die Giftigkeit Pfefferkorns und der Kölner Dominikanerdieselbe halbe Wahrheit ausgestellt hatte, weil die Juden ehemalsJesus hiugerichtet, so Hütten sie Gott gelästert und kämen aus derLästerung des Stifters, Marias, der Apostel, des ganzen christlichenVolkes nicht heraus. Auch Reuchlin hatte sich auf polemische Schriftenund auf die Berwünschungsformel berufen. Mit teuflischem Hohn decktnun der Verfasser des „Handspiegels" die grellen Widersprüche auf,welche zwischen Reuchlins Ansicht über die Juden in jener Sendschrift(Msstvs) und in seinem Gutachten an den Kaiser herrschen. „Willnun Reuchlin auf dem Inhalte seines Gutachtens beharren, worin erdie Juden entschuldigt und verantwortet, so müßte er sein erstes Urteilwiderrufen. Hält er aber dieses noch fest, daß die Juden sich inSchmähungen und Lästerungen ergehen, dann hat er den Kaiser unddie Fürsten belogen!" Das war eine unerbittliche Logik, und Reuchlinmußte die Versündigung schwer büßen, die er früher au den Judenbegangen hatte. Alles übrige, tvas der „Handspiegel" noch enthält,sind abgehaspelte Gehässigkeiten und boshafte Verleumdungender Juden. Als Beweis ihrer Lästerung wird die Grausamkeit mit-geteilt, mit der jüngsthin der Markgraf Joachim I. achtunddreißig Judenin Berlin verbrennen ließ (o. S. 90). Auszüge aus den zwei pole-mischen Schriften von jüdischen Verfassern sollten die Christ eufeindlichkeitder Juden belegen. Hätte Pfefferkorn die wuchtigen Einwürfe derspanischen Inden gegen die christliche Urgeschichte und Dogmen gekannt,so hätte er das Sündenregister bei weitem vermehren können. Ober-flächliche Auszüge aus den: Talmud, nicht aus eigener Lektüre, sondernanderen nachgeschriebeu, sollten die Behauptung erhärten, daß dieJuden durchaus — gegen Reuchlins Annahme — Ketzer im verdamm-lichen Sinne des Wortes seien, ihre Schriften Ketzerei enthieltenund also verbrannt werden müßten.
Eine noch schwerere Anklage Reuchlins sollte diesen in denAugen aller Christen brandmarken und Entsetzen vor ihm erregen: