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Geschichte der Juden.
Aber die Verbissenheit Pfefferkorns und der Kölner Dominikanerhat ihnen das für gewonnen gehaltene Spiel verdorben. Fast sollteinan ihnen dafür dankbar sein, daß sie die anfangs in Amtsgeheimnisgehüllte Sache an die Öffentlichkeit gebracht, dadurch ein anderesTribunal geschaffen und die Gefährdung der Juden in die Gefährdungder Kirche verwandelt haben. Sie waren nämlich über ReuchlinsUrteil außer sich geraten, weil dessen Stimme viel Gewicht beini Kaiserund seinen Räten hatte. Sie machten sich daher bald daran, einegeharnischte Widerlegung gegen dessen Parteinahme für Juden undihr Schrifttum in die Welt zu schicken und zwar in deutscher Sprache,um ihre Sache volkstümlich zu machen, und die Menge so zu fauati-sieren, daß der Kaiser selbst außerstande sein sollte, auf Reuchlin zu hören.Schon der Titel derselben war geeignet, eine Judenhetze heraufzu-beschwören: „Handspiegel gegen die Juden und ihre Schriften,die das christliche Regiment schmähen, als gotteslästerlich, ketzerischund abergläubisch vernichtet werden müssen." Welche Frechheit gehörtdazu, eine für den Kaiser ausgearbeitete Urkunde zum 'Gegenstandeines öffentlichen Angriffes zu machen! Zur Frühjahrsmesse VvnFrankfurt boten (1511) Pfefferkorn und sein Weibchen den „Hand-spiegel" feil, gingen auch damit von Stadt zu Stadt, von Tür zu Türhausieren.
Mehr noch als an Pfefferkorns früheren giftigen Schriften hattendie Kölner Dominikaner au dem „Handspiegel" Anteil. Er gestandes auch ein, daß er sich mit seinen Freunden bei der Abfassung beraten.Die Schrift ist daher gelehrter und nicht so platt gehalten. Schon amEingänge verrät sich die Teilnehmerschaft oder Mitschuld eines derselben,des aufgeblasenen Arnold von Tongern. Vorgeblich ist derHandspiegel eine längst fertige Beantwortung auf Arnolds Frage,warum denn der löbliche Handel betreffs der jüdischen Bücher keinenFortgang nähme. Die Antwort lautet, schuld sei daran nicht bloßdie Anfechtung von seiten der boshaften Juden, sondern auch von seitenmancher Christen. Pfefferkorn stellte sich darin als der Beleidigteund Verletzte, als unschuldig verfolgtes Opfer dar, indem ihm Reuchlinnicht bloß an seine Ehre gegriffen, sondern ihn auch dem Kaiser als straf-würdigen Verleumder gebrandmarkt habe. Tie schwachen Seiten desReuchlinschen Gutachtens waren den Gegnern sofort aufgefallen:gegen diese richteten sie zuerst ihre Angriffe und klammerten sich festdaran, um dadurch den sie so sehr überragenden Riesen zu Fallezu bringen. Reuchlin hatte im Gutachten behauptet, daß die Ver-wünschungsformel im jüdischen Gebete ganz harmloser Natur und garnicht auf die Christen und das römische Reich gemünzt sei. Dagegenwerden nun im Handspiegel Zeugnisse von getauften Juden, Paulusvon Burgos, Geronimo de Santa Fe, auch von Alfonso de^Spina