Pfefferkorns Frechheit
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Rache an den Juden nehmen zu können, bekam es erbrochen nochvor dem Kaiser in die Hand. Wie dies zugegangen war, blieb ein unauf-gehellter Punkt. Renchlin bezeichnete die Cölner geradezu als ge-wissenlose Siegelbrecher. H .Pfefferkorn aber, dem übrigens wenig zuglauben ist, erzählte den Hergang folgendermaßen. Ter Kurfürsthabe sämtliche Gutachten mit Befugnis geöffnet und sie ihm, als demvom Kaiser bezeichneten Agenten (Sollizitator) übergeben. ÜberReuchlins judenfrenndliches Urteil habe derselbe spöttisch gelächelt,als wenn ein Jude hinter diesen: beim Niederschreiben gestanden undihm diktiert hätte. Als es Pfefferkorn aus der Kanzlei habe holenwollen, habe er es vernachlässigt auf einen: Schreibpulte, ein Spottdes Schreiberburschen, gefunden. Und als dann Pfefferkorn sämtlicheRatschläge über den Talmud den: Kaiser überbracht, habe dieser, zubeschäftigt, um sich selbst ein Urteil darüber zu bilden, drei Männernden Auftrag dazu erteilt, den: Professor der Theologie Hiervnh -inus Waldung, den: Juristen A n gelus. von Freiburgund den: kaiserlichen Beichtvater, den: Karthäuserprior GeorgReisch, ihn: Vorschläge über das Verfahren in betreff des jüdischenSchrifttums zu machen. Diese hätten nach reiflicher Überlegung den:Kaiser geraten, die ganze Bibel den Juden zu lassen, die übrigen Schriftenihnen durch die Bischöfe mit Hilfe des weltlichen Armes zu nehmen,ein Verzeichnis davon anzulegen, diejenigen auszusuchen, welchePhilosophie, Medizin und Poesie znm Inhalte haben, und sie denEigentümern zurückerstatten, die talmudischen und rabbinischeu Schriftendagegen, überhaupt alle, welche sich mit verkehrter Auslegung der heiligenSchriften befaßten und daher ketzerisch und lästerlich seien, zur Belehrungfür Christen und zun: Zeugnis für den Glauben zun: Teil in Biblio-theken zu verteilen, sie aber, an Ketten zu legen, damit sie nicht wiederin die Hände der Juden gerieten, endlich aber die übrigen zu ver-brennen. Über Reuchlins Urteil soll sich der Karthäuser Georg ge-äußert haben, es sei mit goldener Tinte (d. h. für Geld von den Judenempfangen) geschrieben. Der Kaiser selbst soll geneigt gewesen sein,die Frage über Duldung und Vernichtung der talmudischen Schriftendem nächsten Reichstage vorzulegeu. — Dagegen teilt der glaubwürdigeReuchliu mit, der Kaiser sei durch sein Gutachten so sehr von der Falsch-heit der Anklage überzeugt worden, daß er die noch zurnckgehalteuenjüdischen Schriften zurückzuerstattcn befohlen habe.^)
F Augenspiegel a. a. O. S. 18 und Defensiv contra ealnnmiatoresOolonienses a. a. O. p. 92 b unten.
°) Bergl. Reuchlins hebr. Brief an Bvnet de Lates (Nvte 2) und SimonOratio continsns bistorianr Oapnionis (L. 4 b): Lase ssnteutia (llenebliniüe Dalinnä) aegnior onin iinpsratori plaenissst, libri in enriain Drank-tnräisnssm translati Imlasis restitnnntnr.