98
Geschichte der Jude».
römische Reich aus Bosheit verfluchte». Dadurch köunten die Jude»leicht in eine» solchen Haß bei de» Ungebildete» gebracht werde»,daß sie uru Leib nnd Leben kämen. Bei Lichte besehen, findet manaber kein Wort darin, das die Getauften oder die Apostel oder dieChristen überhaupt und das römische Reich bedeute."
Gewiß, seitdem die Juden bvn der Christenheit gemißhandeltund verfolgt wurden, haben sie keinen so wohlwollenden Sachwaltergefunden, wie Reuchlin und noch dazu in einer amtlichen Erklärungfür den Reichskanzler und den Kaiser. Zwei Punkte, welche Reuchlinbetont hatte, waren von besonderer Wichtigkeit für die Juden. Dererste, daß die Juden Mitbürger des deutsch-römischenReiches seien und d e s s e l b e n R e ch t e s und Schutzesgenießen?) Es war gewissermaßen der erste stotternd ausge-sprochene Laut zu jenem befreienden Worte vollständiger Gleichstellung,welches mehr als drei Jahrhunderte brauchte, um voll ausgesprochenund anerkannt zu werden. Damit war der mittelalterliche Spukzum Teil gebannt, daß die Juden durch Vespasiaus und Titus' Er-oberung Jerusalems ihren Nachfolgern, den römischen und deutschenKaisern, mit Gut und Blut verfallen seien, daß diese das volle RechtHütten, sie zu töten und nur Gnade übten, wenn sie ihnen das nackteLeben ließen, daß mit einem Worte die Juden gegenüber den Macht-habern durchaus rechtlos wären. Die Juden haben auch ein Recht,das geachtet werden müsse, auch von Kaiser und Reich, von Geistlichenund Weltlichen, das war der erste schwache, zitternde Lichtstrahl nachso langer düsterer Nacht. — Der zweite Punkt, den Reuchlin schon mitmehr Offenheit betonte, war nicht minder wichtig: Die Juden dürfennicht als Ketzer angesehen und behandelt werden. Ta sie außerhalb derKirche stünden und znm christlichen Glauben nicht gezwungen seien,so seien die Begriffe Ketzerei und Unglauben— jene entsetzenerregendenund lebenverwirkeudeu Banuwörter im Mittelalter — gar nicht aufsie anwendbar. Entzog das erste Wort die Juden der Willkür desweltlichen Armes, so zog das zweite gewissermaßen ein Asyl um sie,wo sie die damals weit reichende geistliche Macht nicht erreichen konnte.In seinem Unwillen über Pfefferkorns Unverschämtheit ermaß Reuchlinselbst nicht die Tragweite seiner Äußerungen; sie sind ihm gewissermaßennur entschlüpft; aber seine Feinde ermangelten nicht, sie als Waffengegen ihn zu gebrauchen.
nicht sein, ir-, so einen Teufel heißt, hat es einen Punkt ans der rechten Seitedes Buchstabens O); das kann ein jeglicher Bauer merken, wenn sic sprächen:8 obsä n'illbum, daß es nicht sei als: „seid willkninin".
U Daß Reuchlin wirklich das hat sagen wollen, ersieht man ans der Ab-schwächung, die er in den lat. ^rZnmsuta daran anbringt.- ^i-Znitnr ssxtniu,gnoä äixerim: änäaeos oouoive8 ssss nobwonm Romani impsrii etc.