Die übrigen Gutachten über den Talmud. 99
Von welchem Nutzen sein Gutachten für die Juden war, erkenntman erst aus dein Urteil der zu Rate gezogenen Fakultäten/) denender Talmud natürlich ein Buch mit sieben Siegeln war. Tie CvlnerDominikaner samt und sonders, die theologische Fakultät, der Ketzer-meister Hochstraten und der graue Täufling Viktor von Karben, welchesämtlich aus einem Munde sprachen, ließen sich gar nicht auf die Be-weisführung ein, daß der Talmud Schädliches und ChristeNfeindlichesenthalte; sie schickten das vielmehr voraus, waren daher mit ihremRate bald fertig, die talmudischen Schriften und auch alle übrigen,welche wohl desselben Geistes seien, den Juden zu entreißen und zuverbrennen. Sie gingen aber noch weiter, namentlich hatte Hochstratendie Keckheit, es anszusprechen, die Juden sollten auf die Anklagebankgesetzt werden. Kundige Männer sollten nämlich ketzerische Stellen ansdem Talmud und den übrigen jüdischen Schriften (d. h. solche Äußerungen,welche mit dem Schriftworte nicht übereinstimmen, ihm widersprechenoder es aufheben), ausziehen und zusammenstellen. Dann solltendie Juden befragt werden, ob sie die Schädlichkeit der Schriften, inwelchen solches gelehrt würde, anerkennen oder nicht. Geständensie es ein, so dürften sie nichts dagegen haben, wenn solche lästerlicheund ketzerische Schriften dem Feuer übergeben würden. Beharrtensie dagegen halsstarrig, solche Stellen als einen Teil ihres Bekennt-nisses anzusehen, dann möge sie der Kaiser der Inquisition als offenbareKetzer zur Bestrafung überlassen. Eine angenehme Aussicht für dieJuden und gewinnverheißend für die Beutelust der Kölner Dominikaner!Pfefferkorn oder Viktor von Karben bekämen dann den Auftrag,Stellen aus dein Talmud auszuziehen, welche nicht sehr schmeichelhaftvom Urchristentum sprechen oder mit der Bibel nicht harmonieren.Daraufhin würde sich Hochstraten als Inquisitor darüber zu Gerichtesetzen, die Inden des Rheinlandes vor ein Tribunal laden, sie aus-sragen, sie natürlich bei ihrer Zähigkeit ketzerisch strafwürdig findenund sie entweder zuin Feuertode verurteilen oder wenigstens Geldvon ihnen abzapfen! Dieser Einfall macht den: Scharfsinne seinesErfinders Ehre. — Die Mainzer Fakultät gab ein ähnliches Urteil ab,ging aber noch viel weiter. Nicht bloß sämtliche talmudische undrabbinische Schriften seien voll von Jrrtümern und Ketzereien (wiegelehrte Männer behaupten, denn aus eigener Anschauung wüßtensie es nicht), sondern auch die biblischen Schriften dürften davon ver-dorben und verschlechtert worden sein, namentlich im Punkte desGlaubens! Daher seien auch diese den Juden abzunehmen, zu unter-suchen, und wenn nach Erwarten befunden, dein Scheiterhaufen zuüberliefern. Das war nicht minder schlau angelegt: Ter hebräische Text
9 Vergl. Nute 2.