Reuchlins Gutachten.
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verstanden hätte, und deutet dabei geflissentlich boshaft an, er habenicht nur mit Peter Schwarz, sondern auch mit Pfefferkorn Bekannt-schaft gemacht. Er schilderte die gemeinen Beweggründe, welche Judenzur Bekehrung zu fuhren Pflegen: „Ich rede nicht von denen, die ausNeid, Haß, Furcht vor Strafe, Armut, Rache, Ehrgeiz, Liebe zur Welt,schlichter Einfalt zu uns kommen, und allein mit Worten und deinNamen nach Christen werden. Solcher habe ich viele kennen gelernt, ausdenen nichts Gutes geworden ist; diese glauben eins wie das andere,und wenn es ihnen auf dieser Seite nicht gut geht, so laufen sie in dieTürkei und werden wieder Juden."*) In einer andern Stelle seinesGutachtens versetzte Reuchlin Pfefferkorn unter der Blume die aller-derbsten Püffe. „Wenn ein Unverständiger käme und spräche: ,Aller-großmächtigster Kaiser! Ew. Majestät soll die Bücher der Alchemieunterdrücken und verbrennen, weil in denselben lästerliche, schändlicheund närrische Dinge gegen unfern Glauben geschrieben sind/ Was solltedie kaiserliche Majestät einen: solchen Büffel oder Esel zur Antwort geben,als daß er sagte: ,Tu bist ein einfältiger Mensch, viel inehr zu verlachen,denn zu willfahren.' Weil nun ein so schwachsinniger Kopf nicht die Tiefeeiner Kunst begreifen und fassen kann und die Tinge anders versteht,alssiesind, wolltet Ihr raten, daß mansolche Bücher verbrennen müßte?"?)
Reuchlins Parteinahme für die Juden oder sein Unwille überPfefferkorn brachte ihn dahin, in grellem Widerspruche mit seinereigenen Äußerung in seinem Sendschreiben an einen Junker(o. S. 83) Pfefferkorns Anschuldigung gegen die Juden ans der Ber-wünschungsformel in ihrem Gebete so lächerlich zu machen, als wenn dieseund andere Klagen auf nichts, gar nichts begründet wären, und als ober selbst sie nicht erhoben hätte. „Kürzlich ist ein Büchlein gedrucktworden,"?) bemerkte Reuchlin, „wider die Juden und darin angezeigtein Gebet in ihren Gebetbüchlein, das sie wider uns gebrauchen . . .Dasselbe wird gar zu schwer wider sie angezogen, als ob sie die Heiligei:Apostel und ihre Nachfolger... die gemeine christliche Kirche und das
*) Augenspiegel p. 32 b. ?) Das. p. 28.
Reuchlin meinte damit (a. a. O. S. 23) die Stelle in Pf. bostis cknäae-ornm, wo die Verwllnschungsformel im Gebete a'-ir-nr-iSi (ursprünglichauf die getauften Juden und in: owbr: auf das römische Reich bezogen wirdReuchlin stellte sich an, als wenn er gar nicht wüßte, das; ---lanvL^ getaufteInden bezeichnet, und als ob das Wort ein ganz unschuldiges pai tieipiumgrasssntis ternxoris gassivi wäre. Auch die Widerlegung einer anderen Anklageist mehr den Juden wohlwollend als richtig. Pfefferkorn hatte ausgestellt:8: guanüo 6In wtianns ünäaenm aäeat, ills enm snm exeepit speeis bsne-vota. iuguit irneipiti verbo tsntonieo: „8stl> vilünmnM, gnoä est
8atbs,»a8 vsnisti.bsns . . . 8stb üiabolns. Allerdings mögen einigerohe Juden das Wort: „Seid oder Sed Willkommen" so gedeutet haben.Dagegen Reuchlin : „Das kann nach richtiger Grammatik,: der hebräischen Sprache
Graetz, Geschichte der Juden. IX. 7