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Geschichte der Juden.
und Geldeswert zu nehmen; wer solches tue, verfalle dein Bann. DerBann wird aber nur über eine Todsünde verhängt, folglich ist es Sünde,also Gott nicht wohlgefällig, den Juden ihre Bücher zu rauben. Aufdieses Gesetz seien auch Könige und Kaiser verpflichtet, und das kaiser-liche Recht hat es bestätigt. Auch ist es kanonisch verboten, den Judenihre Kinder mit Gewalt zu entziehen. „Darunter sind auch Bücher zuverstehen, denn manchem sind Bücher ebenso lieb wie Kinder, wieman auch von den Poeten sagt, daß sie ihre Bücher für ihre Kinderhalten."
Die Klasse der kabbalistischen Schriften zu verteidigen und sie vordem Brande zu schützen, hatte Renchlin leichtes Spiel. Er brauchte sichnur auf die Vorgänge am päpstlichen Hofe vor kaum zwei Jahrzehntenzu berufen. Der gelehrte und wunderliche Graf Pico de Mirandolahatte für die Kabbala eine schwärmerische Verehrung angeregt und denSatz aufgestellt, sie sei das festeste Fundament für die Hauptlehren desChristentums. Papst Sixtus IV. hatte einige kabbalistische Schriftenins Lateinische übertragen lassen?) Ms nun später der Bischof PeterGavisia gegen Pico de Mirandola auftrat und die Schädlichkeitder Kabbala behauptete, habe Papst Alexander VI. die Streitfrage voneinem Kardinalskollegium untersuchen lassen und durch ein apostolischesBreve (1493) Picos Rechtgläubigkeit und die Nützlichkeit der Kabbalabestätigt. Reuchlin schloß sein Gutachten mit den: Resultat: Mansollte den Juden keineswegs ihre Schriften nehmen und verbrennen,vielmehr an jeder deutschen Universität zwei Professoren der hebräischenSprache auf zehn Jahre anstellen, welche allenfalls auch das Rabbinischezu lehren hätten; dann könnten die Juden auf sanften: Wege durchÜberzeugung zum Christentum bekehrt werden.
Reuchlin begnügte sich nicht, in seinem Gutachten sein Urteiliiber das jüdische Schrifttum abzugeben, sondern er suchte auch dieGründe zu entkräften, welche die Judenfeinde, namentlich Pfeffer-korn, dagegen vorgebracht hatten. Wenn es auch wahr wäre, meinteer, daß sie den Stifter des Christentums und seine Lehren leugnen,so wiegen diese Schriften doch nicht schwerer als die Tatsache selbst,daß die Juden beides ein für allemal nicht anerkennen, und doch hatsie die Christenheit vierzehn Jahrhunderte geduldet. Reuchlin be-merkte dabei, daß ja auch die Christen alljährlich in den Kirchen an:Charfreitag öffentlich die Juden als treubrüchig (poiUUi 9näasi)schmähten.
Besonders brandmarkte er unter derHand den Ankläger Pfefferkorn,zwar ohne ihn zu nennen, aber doch kenntlich genug. Er bemerkte:Er habe keinen einzigen Inden zu seiner Zeit gekannt, der den Talmud