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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Reuchlins Gutachten.

neuester Zeit Pfefferkorn dagegen erhoben haben. Er kenneaber auch manche, welche kein Wort vom Talmud verstehen und dochihn verdammen. Wie will aber jemand gegen die Mathematik schreiben,olme ein Wort davon zu verstehen? Es wäre ein Bacchanten-argu m ent, statt die Angriffe der Juden auf das Christentum zuwiderlegen, mit der Faust dareiu zu schlage». Er sei daher der Meinung,daß der Talmud nicht verbrannt werden sollte,wenn es auch wahr sein sollte, daß unter vielem andern auch Schmah-worte gegen die Stifter des Christentums darin enthalten seien.Wäre der Talmud so verdammuugswert, wie behauptet wird, sohätten ihn unsere Vorfahren vor vielen hundert Jahren, die mehrErnst mit dem christlichen Glauben gemacht haben, als wir in unsererZeit, längst verbrannt. Die getauften Juden, Peter Schwarz undPfefferkorn, die einzigen, welche auf den: Verbrennen desselben be-stehen, mögen ihre Privatabsichten dabei haben."

In der bis zum Ermüden langen Auseinandersetzung ist dasBestreben Reuchlins sichtbar, vom Talmud durchaus die Brandfackelfern zu halten. Die Gründe dafür sind wenig stichhaltig und nochdazu, weil zugleich juristisch gehalten, sehr kniffig und rabuliflisch.Das Gutachten macht seinem Herzen, aber nicht seinen: Kopse undseiner Rechtsgelehrsamkeit Ehre. Wen könnten folgende Gründe über-zeugen? Der Talmud müsse, wenn schlecht, um so eher erhaltenbleiben, um den christlichen Gottesgelehrten als Schießscheibe zu dienen,woran sie ihre Fechtkunst üben sollten! Oder:Die Juden könnten,wenn wir den Talmud verbrennen, sich rühmen, die Christen fürchtetenfür ihren Glauben, wie wenn ein Herzog mit einen: Ritter fechtenwollte, und er seinen: Gegner vorher sein Messer entzöge!" Oder:Die Juden würden dann erst recht sich an den Talmud klammern,weil das Verbotene erst recht mundet!" Oder:Die Christen könnteneinmal auf Kirchenversammlungen den Talmud zun: Belege brauchenund würde:: dann kein Exemplar finden!" Oder:Wenn die Christennicht mehr mit den Juden disputieren könnten und das könntenur auf den: Boden des Talmud geschehen so würden sie untereinander in Uneinigkeit und Spaltung geraten,weil das inenschlicheGemüt nicht feiern kann, worin der Anfang in dem Streite über MariasEmpfängnis zwischen den Dominikanern und Franziskanern bereitsgemacht ist, und ob der Apostel Paulus verehelicht und der Kirchen-vater Augustinus ein Mönch gewesen." Unter den letzten Gründen istnoch der folgende der leidlichste: Das Verbrennei: des Talmud inDeutschland würde das Ziel verfehlen, dein: die Juden Habei: ihrehohen Schulen in Konstantinopel, im Orient überhaupt und auch inItalien, wo sie frei lehre:: dürfen. Tann brachte Reuchlin noch juri-stische Kniffe an: das kanonische Gesetzbuch verbietet, den Juden Geld