Druckschrift 
9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
Entstehung
Seite
87
Einzelbild herunterladen
 

.Verwickelung in der Bücherkonfiskativn. 87

zu bieten, weil er das Meßrecht nicht verletzen lassen mochte. Ohnehinhatten die jüdischen Buchhändler Geleitschrifteil von den Fürsteil undHerreil ihrer Heimat, welche nicht bloß ihre Person, sondern auch ihrGut schützten, allerdings gegeben im eigenen Interesse, nur nicht durchdie Schädigung ihrer Juden Verlust an Einnahmen zu erleiden?)Und der Erzbischof Uriel verhielt sich schmollend, und war mehr denJuden zugeneigt. Er berief die vom Kaiser bezeichneten gelehrteilMänner zur Prüfung der jüdischen Bücher nicht zusammen, sonderntat nur, ivas er nicht unterlassen konnte. Auch von seiten mancherFürsteil, welchen die Juden über die Tragweite dieser seltsamen Kon-fiskation die Angeil geöffnet hatteil, scheinen Beschwerden all den Kaisergelangt zil sein?) Die öffentliche Meinung war besonders gegenPfefferkorn eingenommen.

Dieser und die Dominikaner ruhten aber auch nicht, sondernmachteil Anstrengungen, den Kaiser und die öffentliche Meinung fürsich zil gewinnen, und es war wunderbar, daß die Feinde derÖffentlichkeit der bis dahin stummen Richterin den Mund geöffnetund ihr zur Macht verholfen haben. Zu diesem Zwecke erschien wiederumunter Pfefferkorns Namen eine neue Schmähschrift gegen die Juden:Zu Lob und Ehren des Kaisers M a x i in i l i a n", indeutscher Sprache?) Diese Schrift blies ^dem Kaiser ganze Wolkenvon Weihrauch ins Gesicht und bemerkt mit Bedauern, daß die An-schuldigungen gegen die Juden in christlichen Kreisen aus Leichtfertig-keit und Unverstand so wenig beachtet würden. Es wird darin wieder-holt, daß der Talmud, der Wucher der Inden und ihr leichter ErwerbSchuld an ihrer Schroffheit gegen ihre Bekehrung zum Christentumwären. Pfefferkorn verhehlte darin nicht, wie seine feindseligen Schrittegegen die Jaden von der Herzogin Kunigunde gefördert worden waren,und diese den Kaiser bewogen hatte, das Mandat zur Konfiskation derjüdischen Schriften zu erlasseil. In dieser Schmähschrift machte er dieaußerbiblischen, nach seiner Behauptung voll Schmähungen gegen dasChristentum strotzenden Bücher der Juden namhaft (worin er jedochnur seine Unwissenheit an den Tag legte) und stempelte die Juden zuKetzern, weil sie einige Bräuche und abergläubische Praktiken hätten,welche im Widerspruche zur heiligen Schrift stünden. Ter boshafteVerläumder machte es gar den Juden zum Vorwurf, daß sie ihreTöchter lieber an einen Talmudkundigen als an einen Unwissenden zuverheirateil pflegten, und rechnete es den Frommen als Unkeuschheitan, weil sie aus religiösen Gründen in der Ehe enthaltsam wären. Ter

Bnrgermeistcrlnch a. a. O, S. 2iö

°) Monatsschrift, das. S. -tliv.

°) Diese Schrift erschien März IvIO, vcrgl. -tote 2.