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Geschichte der Juden.
Werke abgenommen (mit den bereits früher eingezogenen) und in demRathaus niedergelegt. Auch iu audereu Städten, W orms, Lorch.Bingeu , L a h n st e i n , Bi aiuz (eigentlich Wiensnu bei Mainz)und Deutz betrieb Pfefferkorn sein Geschäft mit vielem Eifer. Erbehauptete später, die Juden hätten ihm bedeutende Summen geboten,von seiner Anklügerschaft abzustehen, er sei aber den Versuchungen desSatans nicht erlegen.*)
Schlimmer noch als des Kaisers wankelmütiges Verhalten wardie Teilnahmlosigkeit der größeren Gemeinden Deutschlands für dieBeschickung eines Gemeindetages und Beratung zur Vereitlung derboshaften Anschläge Pfefferkorns oder richtiger der Dominikaner.Kleinere Gemeinden hatten allerdings ihre Beiträge zu deu Ausgabenfür diese so peinliche Sache beigesteuert; aber die größeren und reichereil,Rothenburg an der Tauber, Weißenbürg und Fürth,auf welche die Frankfurter am meisteil gerechnet hatten, zeigten einengleichgültigen Sinn. Da die erste Frist zur Versammlung nicht ein-gehalten worden war, hatte die Gemeindevertretung von Frankfurteine neue augesetzt; aber auch die Zusammenkunft an diesem Tagevereitelten die drei Gemeinden.^)
Als aber infolge des zweiteil Mandats des Kaisers voll neuemdie jüdischen Bücher nicht bloß in Frankfurt, sondern auch in andereilGemeinden konfisziert wurden, rafften sich die Gemeinden zu gemein-samem Eifer auf. Ter Rat voll Frankfurt wurde zu ihren Gunstenumgestinlnlt, er brachte die Angelegenheit auf dem Reichstage zuWorms zur Sprache, sandte die bei ihm eiugereichte Beschwerdeschriftder Juden an den Kaiser^) und begleitete sie mit einer Bittschrift,daß der Kaiser Pfefferkorn die Vollmacht entziehen möge, weil dieser„mit Verschweigung der Wahrheit und Behauptung von Unwahrheit"in der Sache vorgegangen sei. Der Rat »lachte ebenfalls die Privi-legien der Juden geltend und setzte auseinander, daß das Schrifttumder Juden auch für Christen von Nutzeil sei, und der Papst Clemensaugeordnet habe, daß an den Hochschulen und Universitäten darüberVorlesungen gehalten werden sollten.^)
Dazu kam noch ein anderer Umstand. Zur Frankfurter Früh-jahrsmesse pflegten jüdische Buchhändler ihre Bücherballen zum Ver-kauf zu bringen. Da nun Pfefferkorn auch diese zu konfiszieren drohte,so weigerte sich der Rat von Frankfurt zu diesem Allsinnen die Hand
*) Über alles gibt Note 2 quellenmäßige Belege.
B Vergl. Monatsschrift, Jahrg. 1875, S. 342, 375 fg.
B Bürgermeisterbnch von Frankfurt, Frankfurter Archiv für Geschichte undKunst, Jahrg. 1869, S. 214.
h Monatsschrift a. a. O., S. 215.