88
Geschichte der Juden.
Messiasglaube der Juden, ihre Ausschmückung des Paradieses, ihreGebräuche bei Beerdigungen, ihre unschuldigen Sagen (z. B. von einemalten Leichensteine der Wormser Gemeinde), all das wird indieserSchmäh-schrift nicht als Torheit verlacht, sondern als Verbrechen gebrandmarkt.
Pfefferkorns Schmähschrift „zuin Lob des Kaisers Maximilian"fordert die durchlauchtigsten Fürsten, gnädigen Herrei: und alle Ständeder Christenheit auf, sich die Lästerungen in den jüdischen Schriftengegen den Allmächtigen und seine lobwürdige Mutter zu Herzen zunehmen, und widerlegt sophistisch alle Einwände gegen die Errichtungvon Scheiterhaufen für den Talmud. Dein Haupteinwand, daß dieMaßregel nutzlos sein würde, weil die Juden so manches Exemplarverbergen oder die verpönten neu kopieren oder aus dein Auslandebeziehen dürften, wollte Pfefferkorn durch ein Verfahren begegnetwissen, welches die ganze Tücke seiner oder der Dominikaner Bosheitverrät. Man sollte den Juden einen feierlichen Eid auflegen, undzwar nachdem inan sie einen Tag zu fasten gezwungen, indem manvor sie dampfendes, wohlschmeckendes Fleisch, gesottene Fische, Gläsermit Wein, Ol, Honig und Milch hinstelle, und sie entblößten Hauptesmit Aussprechen des geheiligten Gottesnamens schwören lassen, daßsie sämtliche Schriften ausliefern, keine behalten, kopieren oder vonaußen beziehen würden. Wenn einer dann noch im Besitz eines Tal-inudexemplars betroffen würde, sollte er als Meineidiger an Leib undGut bestraft und von den übrigen Juden mit dem Banne belegt werden.So sollten die Juden selbst durch Körper- und Seelenpein als Werk-zeuge der Bosheit gebraucht werden.
In derselben Schmähschrift suchte er auch die Stimmen, welchesich zugunsten der Inden vernehmen ließen, zum Schweigen zu bringenund sie von vornherein zu verdächtigen Wenn sich getaufte Judengegen seine Verläumdungen aussprechen sollten, so möge man sie nichtals aufrichtige Christen betrachten; es würden nur solche sein, welchesich nur ans fleischlicher Lust haben taufen lassen, den jüdischen Glaubennoch im Herzen trügen und nicht wünschten — diese verruchten undungöttlichen Herzen —, daß die Schalkheit der Juden an den Tag käme.Solche getaufte Juden, welche seine Schrift Lügen strafen könnten,seien von den Christgläubigen wie die Teufel zu fliehen. Die Christen,die sich etwa günstig für die Juden vernehmen lassen sollten, würdenentweder vom Gelde der Juden bestochen oder durch den Umgang mitJuden verderbt worden oder in ihren: Innern vom Christenglaubenabgefallen sein. Aber auch auf die Stimme unbescholtener, frommerChristel: zugunsten der Juden sei nichts zu geben, denn es würden nursolche sei::, die auch das edelste Streben verdächtigte:: und zun:Schlimmste:: auslegen d. h. solche Christen, welche seine gemeinenAbsichten durchschauten.