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Geschichte der Juden.
kanerorden auf bestem Fuße staud und ihr Sachwalter in weltlichenAngelegenheiten ohne Vergütung war, so sahen die Finsterlinge dochin ihm instinktmäßig ihren geheimen Feind. Das Pflegen der Wissen-schaft, die Beschäftigung mit der klassischen Literatur, die Sorgfaltfür einen eleganten lateinischen Stil, die Begeisterung für die grie-chische Sprache, welche Reuchlin in Deutschland zuerst geweckt — inden Augen der Stockkatholiken die Sprache der Schismatiker — undnun gar die Einführung der hebräischen Sprache, die Bevorzugungder „h e b r ä i s ch e n W a h r h e i t", des hebräischen Textes, vor derverdorbenen, in der Kirche als kanonisch und unverbrüchlich geltendenlateinischen Vulgata, das alles galt den Finsterlingen als eben so vieleSünden, gegen die zwar nicht sofort von seiten der Ketzergerichte ein-geschritten werden konnte, die ilnn aber einen Platz in ibrem schwarzenBuche sicherten.
Der Auftrag an Pfefferkorn, den geheimen Agenten der CölnerDominikaner, Reuchlin bei der Untersuchung der lästerlichen jüdischenSchriften heranzuziehen, war, wie bereits angedeutet, eine schlau be-rechnete Falle. Auf seiner zweiten Reise in des Kaisers Lager suchtePfefferkorn daher Reuchlin in dessen Behausung geradezu auf, zeigteihm des Kaisers Mandat, bemühte sich, ihn zum Bundesgenossen seinergiftigen Pläne gegen die Juden zu machen. Reuchlin lehnte diesesAnsinnen halb ab, lobte zwar das Bestreben, die jüdischen Schmäh-schriften gegen das Christentum zu vertilgen, meinte aber, das Mandatdes Kaisers habe einen Formfehler, wodurch das Einschreiten gegendie jüdischen Schriften ungesetzlich erschiene, und die Behörden dahernicht willig dazu die Hand bieten würden. Reuchlin soll ihm damalsauch zu verstehen gegeben haben, sich dabei zu beteiligen, wenn' erdazu aufgefordert werden sollte. Pfefferkorn begab sich infolgedessenzum Kaiser, um ein zweites formgerecht eingerichtetes und unanfecht-bares Mandat von ihm zu erwirken. Die Inden waren aber auch nichtmüßig gewesen, um vom Kaiser den Widerruf des Mandats undZurückerstattung der ihnen genommenen Bücher zu erlangen.
Die Frankfurter Gemeinde hatte indes einen eifervollen Manu ausihrer Mitte, Jonathan Levi Zion, zu ihrem Anwälte beimKaiser ernannt. Auch die Regensburger Gemeinde hatte einen Anwaltzum kaiserlichen Hofe abgeordnet. Ein bei der Umgebung des Kaisersbeliebter Mann, Isaak T r i e st, wendete allen Eifer an, um mitdiesen zusammen Pfefferkorns Plan zu vereiteln. Diese jüdischenAnwälte wurden von angesehenen Christen unterstützt, zunächst vondem Vertreter des Erzbischofs, dann von dem Markgrafen von Badenund endlich von einem „Marschall" G o l d e ck e r. Die jüdischenAnwälte machten zunächst die Privilegien geltend, daß den Juden vonKaisern und Päpsten Religionsfreiheit verbrieft sei, wonach es auch