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Geschichte der Juden.
Da er nun in Deutschland, ja man kann sagen, in ganz Europader einzige Christ war, der sich mit der heiligen Sprache vertraut ge-macht hatte, und die Sehnsucht nach Kenntnis derselben, sowie desGriechischen allgemein war, so drängten ihn seine zahlreichen Freunde,eine hebräische Grammatik anszuarbeiten, welche die Lernbegierigen inden Stand setzen sollte, sich selbst darin zu belehren. Die erste hebräischeSprachlehre von einem Christen ausgearbeitet, die Reuchlin als ein„Denkmal, dauernder als Erz" bezeichnet (vollendet März 1506),chwar freilich dürftig genug nusgestattet. Sie lieferte lediglich das aller-notwendigste zur Aussprache und zur Formlehre und damit zugleich einWörterbuch, dessen Unvollkommenheit von einem Anfänger nichtüberraschen darf. Aber diese Grammatik hatte eine bedeutende Wir-kung; sie regte die hebräischen Studien bei einen: großen Kreis derHumanisten an, die sich seitdem mit allem Eifer darauf warfen, und beider lutherischen Kirchenreformntion erzeugten diese Studien einen neuenGärungsstoff. Eine Reihe von Jüngern Reuchlins, SebastianM ü n st e r , W i d m a n n st a d t, traten in seine Fußtnpfen undhoben die hebräische Sprache zur Ebenbürtigkeit mit der griechischen.Freilich kam auch von einer andern Seite Anregung. Fast um dieselbeZeit lehrte in Padua Elias Levita?) — der erste deutsche Jude,welcher sich mit diesem von seinen jüdischen Landsleuten verachteten,wenigstens ungekannten Fache beschäftigte — die hebräische Sprachevor einem Schülerkreise. Bei seiner Auswanderung aus dieser Stadtnach Rom wegen der Kriegsunruhen nahm ihn der damalige Ordens-general der Augustiner, Egidio (Ägidius) de Viterbo, in seinHaus, sorgte für alle seine Bedürfnisse und ließ sich von ihn: imHebräischen unterrichten. Diese beiden Beförderer der hebräischenSprache unter den Christen, Reuchlin und Egidiv de Biterbo, wolltensie aber nicht um ihrer selbst willen, auch nicht zur Hebung der Bibel-stndien und einer vernünftigen Schriftauslegnng gepflegt Nüssen,sondern lediglich um dadurch in den Stand gesetzt zu sein, in den Ab-grund der kabbalistischen Geheimlehre ohne Schwindel blicken zu können.Durch den Kabbalisten Baruch von B e n e v e n t ließ Egidio denSvhar (oder Teile desselben) ins Lateinische übersetzen.^) So hat dieKabbala, von Hause aus eine Feindin grammatischen Verständnisses,gegen ihren Willen dieses angebahnt. Hatte doch der Papst Sixtus IV.angelegentlichst empfohlen, daß kabbalistische Schriften durch die Über-setzung ins Lateinische denChristen zugänglich geinacht werden sollten. Z
*) Am Ende der UmlimeMu lingmue bsbrueue sagt Reuchlin: exeZI mo-imnienlum ums perenmim.
") Vergl. weiter unten.
2) S. oben S. 39, Aumerk. I.
<) S. B. Vlll.g S. 217.