Reuchlius hebräische Studien.
81
und heiligem Geist.*) In den Buchstaben von Jesu Namen imHebräischen, die er sich mißverständlich zusammengesetzt hat, erblickteReuchlin die Spitze aller Wesenheit und aller Geheimnisse.?)
Reuchlin mochte übrigens fühlen, daß seine hebräischen Kennt-nisse noch manche Lücke hatten, und so ließ er es sich nicht verdrießen,als Gesandter des Kurfürsten von der Pfalz in Rom, um dessen Sacheam Hofe des Papstes Alexander VI. zu vertreten (1498 bis 1500),sich in der hebräischen Literatur weiter zu bilden.
ObadjaSforno?) aus Cesena, zur Zeit in Rom (später Arztin Bologna) wurde Reuchlins zweiter Lehrer im Hebräischen. Sfornoverstand auch Lateinisch und vermittelst dieser damaligen Weltsprachekonnte er sich mit Reuchlin verständigen. Er besaß noch einige mathe-matische und philosophische Kenntnisse und schrieb später Kommentarienzu den meisten biblischen Schriften. Er war zwar kein feiner Kennerder hebräischen Literatur, sah sie vielmehr durch die Brille der Agadaund der Kabbala an, aber für Reuchlin wußte er genug. So saß derdeutsche Humanist, der bereits ein gefeierter Mann war, dessen latei-nische Reden von Italienern bewundert wurden, zu den Füßen einesJuden, um sich durch ihn im Hebräischen zu vervollkommnen.*) WoReuchlin auch sonst Gelegenheit hatte, sich von einem Juden unter-weisen zu lassen, verschmähte er es nicht/) so sehr war ihm dasHebräische eine hochwichtige Angelegenheit. Aber nicht alle Juden,namentlich nicht die deutschen, mochten sich dazu herbeilassen, einenChristen im Hebräischen zu unterrichten; sie beriefen sich vielmehr aufeine mißverstandene Stelle im Talmud, daß es verboten sei, Worte derLehre einem Nichtjuden zu überliefern °)
*) Das. III o. 4 : Similitsr io vsrbo NN2, gnoä SSt: orsavit, et gooin prineipio liloais über ioeipit; io goibns n (rn) pater, 2 (p) ülins 7 (012)Spiritus.
?) Das. Ille. 12 u. a. a. Stellen- er kombinierte nämlich den NamenJesus, bekanntlich aus xiv- entstanden, irrtümlich als aus dem Tetragrammatonund v zusammengesetzt, also niv.w und sah darin das Wort v> — Wesenheitvn — Feuer und noch vieles andere.
°) Vergl. 0. S. 41 .
*) Reuchlin, Einleitung zum I. Buche der Loäimsota: ?ost vero IsAatusL-omae aä ^Isxaoärum VI, goi rsligni kosraot io liuZoa (Uebrasa) eanoosssos a Lesenateosi äuäaeo soilieet ^.bäia I. laeobi gplinroo petivi, gnims guotiäie toto IsZ-atioois tempore pergoam Immaoiter io Ilsbraeis eru-äivit, oon sios iusiAiiis msreeäis iiopeoäio. Ebenso Einl. zum III. Buche.Melanchthon erzählt vita Usoeblioi p, 301: Derselbe habe Sforno sür jedeStunde Unterweisung einen Dukaten gezahlt.
°) Einl. zur Schrift äs Loesotibus st OrtlioKrapbia.
°) Epilog zu den Roäimsnta: 60m uostratss änäasi vsl inviäia velimpsrieia äoeti, Oliristiaoum osminsin io sornm linKua ernäire veliut etc.
Graeh, Geschichte der Juden. IX. 0