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Geschichte der Jude».
sonder» einen Sturm erzeugt, welcher in kaum einem Jahrzehnt dasganze Gebäude der katholischen Kirche tief erschüttert hat. Mit Rechtsagte man später der halbjüdische Christ habe dem Christentum mehrgeschadet, als es sämtliche unflätige Schriften der Juden vermochthätten.Johannes Reuchlin ist eine Persönlichkeit, welche das Mittel-alter in die neue Zeit hat hinüberleiten helfen und darum einen klang-vollen Namen in der Geschichte des sechzehnten Jahrhunderts hat;ihm gebührt aber auch in der jüdischen Geschichte ein glänzendes Blatt.
I o h a n n e s R e u ch l i n aus Pforzheim (geb. 1455, gest. 1522),oder wie ihn die bewundernden Liebhaber der humanistischen Studiennach einer schlechten Hellenisierung seines deutschen Namens nannten,Capnio, hat mit seinem jüngern Zeitgenossen Erasmus vonR o t t e r d a ni die Schmach der Barbarei von Deutschland genommenund durch ihr Beispiel und ihre Anregung auf weitere Kreise bewiesen,daß die Deutschen in Kenntnis der altlateinischen und griechischenSprache, in geschmackvoller Darstellung und überhaupt in humanistischerBildung mit den Italienern, den alleinigen Inhabern dieses Fachesin jener Zeit, wetteifern und sie noch dazu übertreffen konnten. Nebeneiner erstaunlichen Gelehrsamkeit in der klassischen Literatur und einemeleganten Stile besaß Reuchlin einen lautern Charakter, edle Gesin-nung, eine in jeder Versuchung bewährte Rechtschaffenheit, eine be-wunderungswürdige Wahrheitsliebe und ein weiches Gemüt, welchesihn zum aufopfernden Freunde, zum mitleidvollsten Helfer in der Notmachte. Nach dieser Seite hin hatte Reuchlin wenig seines Gleichen inseiner Zeit, und wenn er Huttens Unerschrockenheit und mehr Gedanken-klarheit damit verbunden hätte, so wäre er ein viel geeigneterer Re-formator der Kirche und der Gesellschaft gewesen, als selbst Luther.Vielseitiger als Erasmus, sein jüngerer Genosse für die Anbahnungund Verbreitung der humanistischen und ästhetischen Bildung in Deutsch-land, verlegte sich Reuchlin auch auf die Kenntnis des Hebräischen,um die gottbegnadigte Sprache iune zu habeu uud es darin dem Kir-chenvater Hieronymus gleich zu tun, der sein Vorbild war. Freilich,hatte er in Deutschland und Frankreich keine Gelegenheit, die heiligeSprache gründlich zu lernen. Die deutschen Juden verstanden selbstzu wenig davon, um sie einem lernbegierigen Christen beizubringen.Reuchlins Lehrer, Wessel in Basel, der ihm Liebe dafür eingeflößtund die ersten Elemente beigebracht hatte, konnte ihn nicht weiterdarin bringen. Reuchlins Liebe zur hebräischen Sprache wurde zurSchwärmerei, als er bei seiner zweiten Reise nach Rom (Anfangs 1490)den gelehrten Jüngling, das Wunderkind Italiens, Pico de Mi-
y Erasmus an Reuchlin in sxistolns oluroium virorum II, p. 2b: ?Iu8nim8 ills Lsinijuclusns Lüirisrinnns noeuit rei 6>niiN,ia,uas, (zuum nuivsrss,Inänsoi'mn ssutinn.