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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

ihn, dem die deutsche Judeuheit unterstand, und zu dessen SprengelFrankfurt gehörte, zu bewegen, den Geistlichen ihre Mittätigkeit an derungerechten Sache zu verbieten. Als Pfefferkorn am Montag (1. Okt.)die Haussuchung begann, protestierten die Juden so energisch dagegen,daß sie aufgeschoben wurde, bis der Rat darüber Beschluß gefaßthaben wurde, ob deren Einspruch Folge gegeben werden solle odernicht. Der Beschluß des hochweisen Magistrats fiel zwar ungünstigaus, aber im Augenblick, als zur Konfiskation geschritten werden sollte,langte ein Schreiben von: Erzbischof an, welcher zunächst den Geist-lichen verbot, Pfefferkorn Beistand zu leisten. Dadurch wurde derAnschlag vereitelt, denn auch die Ratsherren zogen sich von derSache zurück, sobald sie von der Teilnahme des höchsten geistlichenWürdenträgers in Deutschland für die Juden Kunde hatten. Dieselegten aber nicht die Hand in den Schoß. Denn, wenn sie auch nichtwußten, daß die mächtigen Dominikaner hinter Pfefferkorn standen,ahnten sie doch, daß Judenfeinde sich dieses boshaften Wichtes bedien-ten, um Verfolgungen über sie heraufznbeschwören. Sie sandtensofort einen Anwalt für ihre Sache an den Kaiser und einen andernan die nahen und fernen deutschen Gemeinden, zu gemeinsamer Be-ratung auf einein Gemeindetage für den folgenden Monat zusammen-zukommen, um Schritte zur Abwendung der Gefahr zu tun und Gelderznsammenzuschießen.

Für den Augenblick schien die für die Juden so peinliche An-gelegenheit für sie eine günstige Wendung zu nehmen. Der Rat vonFrankfurt verhielt sich leidend; er legte allenfalls Beschlag auf dieBücherballen der jüdischen Buchhändler und verbot sie zu veräußern.Am günstigsten war für sie das Verhalten des Erzbischofs von Mainz.Sei es aus Rechtsgefühl er war ein billig denkender Mann oderaus Judenfreundlichkeit oder aus Abneigung gegen die dominikanischeKetzerriecherei er war nämlich den humanistischen Bestrebungenzugetan und ein Feind der Dummgläubigkeit und des religiösen Über-eifers - oder endlich aus Eifersucht, daß der Kaiser in seine Befugnisseeingegriffen und einem solchen Wicht geistliche Gerichtsbarkeit in seinen:Sprengel übertragen hatte, genug, Üriel von Gemmingen nahingeradezu Partei für die Juden. Er richtete sofort ein Schreiben auden Kaiser (5. Dkt.), worin er einen leisen Tadel aussprach, daß derKaiser einen: so unwissenden Menschen, wie Pfefferkorn, Vollmacht indieser Angelegenheit erteilt hatte, behauptete, daß seines Wissens der-gleichen lästerliche und christenfeindliche Schriften unter den Judenseines Stiftes nicht vorhanden seien, und gab zu verstehen, wenn derKaiser durchaus auf der Untersuchung und Konfiskation des jüdischenSchrifttums bestehen 'ollte, er einen Sachkenner damit betrauen müßte.So eifrig nahm er sich der Juden au, daß er au seinen Anwalt beim