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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Konfiskation der jüdischen Schriften in Frankfurt a. Ad 75

Sache reiflich zu überlegen, ein Mandat, (vom 19. August 1509) zuerpressen, worin er dein getauften Bösewicht Bollgewalt über dieJuden einränmte. Er sollte das Recht haben, die jüdischen Schriftenüberall im deutschen Reiche zu untersuchen und alle, deren Inhaltgegen die Bibel und den Christenglauben gerichtet wäre, zu vernichten.Jedoch sollten die Pfarrer des Ortes und Stadtrüte dabei zugegensein. Den Juden schärfte das Mandat ein, bei Vermeidung vonschwerer Strafe an Leib und Gut, keinen Widerstand zu leisten undihre Schriften zur Prüfung vorzuzeigen.

Triumphierend eilte Pfefferkorn mit dein Vollmachtsschreibendes Kaisers in Händen, das ihn zum Herrn über die Juden gemacht,nach Deutschland zurück, um Jagd auf die jüdischen Schriften oderjüdischen Säckel anzustellen. Er begann sein einträglich zu werdenversprechendes Geschäft mit der damals bedeutendsten deutschen Ge-meinde Frankfurt, wo es viele Talmudkundige, folglich viele Talmud-exemplare und auch wohlhabende Juden gab. Dort lagerten auchBallen jüdischer Schriften fremder Druckereien zum Verkauf in derMessezeit aufgehäuft. Auf Pfefferkorns Veranlassung versammelteder Rat sämtliche Juden in der Synagoge und verkündigte ihnen desKaisers Befehl, ihre Schrifteil auszuliefern.

Im Beisein von drei Geistlichen des Bartholomäusstiftes undzweier Räte wurden sogleich sämtliche Gebetbücher, welche sich inder Synagoge befanden, konfisziert. Es war gerade am Vorabendedes Httttenfestes (Freitag, 28. Sept. 1509). Aus eigener Machtvoll-kommenheit, aber mit dem Vergeben, auch dazu vom Kaiser ermächtigtzu sein, verbot Pfefferkorn den Besuch der Synagoge für den Feiertag;er beabsichtigte an demselben Haussuchung zu halteil, denn ihm lagviel daran, der Talmudexeniplare habhaft zu werden, die jeder Kundigein seinem Hause hatte. Indessen waren die anwesenden Geistlichennicht so rücksichtslos, das Fest der Juden in Trauer zu verwandeln,und verschoben diese Nachforschung nach den Büchern bei den ein-zelnen auf den folgenden Montag. Was taten die Juden? Auchdas zeugt für das Weben einer neuen Zeit, daß sie es wagten, Ein-spruch gegen diesen gewalttätigen Eingriff zu tun. Sie ließen nichtmehr, wie früher in Deutschland, Beraubungeil, Plünderungen undselbst den Tod mit stummer Lammesgeduld über sich ergehen. Sieberiefen sich auf ihre auch von Kaisern und Päpsten verbrieften Rechte,welche ihnen Religionsfreiheit zusicherten, lind der Besitz ihrer Gebet-und Lehrbücher sei darin eingeschlossen. Sie verlangteil Aufschubder Bücherkvufiskatioil, um an den Kaiser lind das Kammergericht zuappellieren. Der Vorstand der Frankfurter Gemeinde sandte soforteinen Deputierten an den Kurfürsteil und Erzbischof von Mainz,11 riel von G e m in i u g e n, nach seinem Sitz Aschaffenburg, um