Hetzerei gegen die Juden.
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jüngst auch aus Nürnberg, Ulm und Nördlingeu vertrieben worden.Welcher Schaden und welcher Nachteil ist den Christen daraus er-wachsen? „Billig sollt ihr jenen bei eurem Seelenheil Nachfolgen."Wenigstens sollte die Obrigkeit ihnen Geldgeschäfte zu treiben verbietenund sie zur Arbeit und zum Besuche der Kirche zwingen. Der Refraindes giftigen Büchleins von der „I u d e n b e i ch t e" ist, daß dasjüdische Schrifttum an der Verstocktheit derselben Schuld sei, weil esdie christliche Kirche schmähte. Eigen ist es, daß Pfefferkorn darin seineGenossen, die getauften Juden, zu geißeln für nötig hielt. „Alan findetmanchen bösen Juden, der läuft in ein Land und läßt sich taufen, nichtdaß er wäre Christ geworden, sondern um Geld zu verdienen, in Freudenund Wollust zu leben und seine Gunst besser verwerten zu können."Zuletzt kämen die Getauften wieder zu den Juden und sprächen: „Ichwill nicht länger Christ sein. Und obschvn einige derselben bei denChristen bleiben, halten sie es doch heimlich mit den Juden." WolltePfefferkorn damit etwaigen Widerspruch gegen seine Gehässigkeitenvon seiten anderer getaufter Juden verdächtigen? Jedenfalls hat erselbst Veranlassung gegeben, daß man seine aufrichtige Gläubigkeitstark bezweifelt hat.
Nicht lange daraus (um Februar 1509) erschien unter PfefferkornsNamen wieder in deutscher Sprache eine Flugschrift, über das jüdischeOsterfest/) die an das Volk gerichtet ist und es geradezu zur Gewalt-tätigkeit gegen die Juden hetzt. Im Widerspruche mit der erstenSchrift klagt sie dieJuden an, daß sie es als Verdienst betrachteten, dieChristen nicht nur zu betrügen, sondern auch ums Leben zu bringen.Es sei daher Christenpflicht, die räudigen Hunde zu verjagen. Solltendie Fürsten nicht darauf eiugehen, so möge das Volk die Sache in dieHand nehmen, zuerst die Fürsten augehen, den Juden alle Bücher mitAusnahme der Bibel und alle Pfänder mit Gewalt zu nehmen, nochmehr, ihnen auch die Kinder zu entreißen und sie christlich erziehen zulassen und die Erwachsenen als unverbesserliche Schelme ins Elend zujagen. Es sei keine Sünde, den Juden das Schlimmste zuzufügen, dasie nicht Freie, sondern als Hörige mit Leib und Gut Eigentum derFürsten seien. Sollten diese auf das Gesuch des Volkes nicht gutwilligeiugehen, so möge dieses sich in Massen versammeln, ja, einen Aufruhrmachen und mit Ungestüm die Erfüllung der Christenpflicht zur Schädi-gung der Juden verlangen. Die Massen sollten sich zu Rittern Christiaufwerfen und sein Testament vollziehen. Wer den Juden Leidszufügt, sei ein Glied Christi, wer sie aber begünstigt, der sei noch schlimmerals sie und werde jenseits mit ewigem Weh und höllischem Feuerbestraft werden.
h Bergt. Note 2.