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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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68 Geschichte der Juden.

Schlechtigkeit der Juden der Talmud Schuld, den sie höher als dieZehngebote verehrten.

Viktor von Karben scheint doch nicht recht brauchbar oder schonzu alt gewesen zu sein, um einen von langer Hand angelegten Planausführen zu helfen, damit dem Dominikanerorden, als dein Ketzer-gericht über Menschen und Schriften, einträgliche Geschäfte zufielen.Sie brauchten aber einen Juden dazu, denn ihre eigene Firma warnicht lange vorher in außerordentliche Mißachtung geraten. DieDominikaner und Franziskaner waren von jeher Todfeinde.Was die einen lobten, verlästerten die andern. Folgten dieerstem der Scholastik des Thomas von Aquino und nannten sichTho m i st e n , so hielten sich die andern an einen andern Patron derscholastischen Theologie und waren Scotisten oder O c c a m i st e n.Die Franziskaner verteidigten das Dogma, daß nicht bloß Jesus,sondern auch seine Mutter unbefleckt von einer jungfräulichen Muttergeboren sei. Darum eiferten die Dominikaner gegen die unbefleckteEmpfängnis Marias. Dieser Streit hatte im Anfang des sechzehntenJahrhunderts einen hohen Grad von Bitterkeit erreicht. Die Domi-nikaner wollten ihre Ansicht durch Wunder beweisen. In Bernhatten sie zu diesem Zweck einen Schneidergesellen gewonnen und ihremOrden zugesellt, der sich anfangs dazu gebrauchen ließ, auszusagen,nächtliche Unterredung mit Maria gehabt und von ihr selbst die Wahr-heit ihrer befleckten Geburt erfahren zu haben. Zuletzt verriet derSchneidergeselle den Betrug der Dominikaner, und infolgedessenwurden der Prior, Subprior und noch zwei hochgestellte Personendieses Ordens als Ketzer verbrannt. Die Franziskaner verfehltennicht, die Schmach ihrer Gegner durch populäre Schriften in deutscherund lateinischer Sprache zu verbreiten, um ihren Gegenorden verhaßtzu machen. Daher wagten es die Dominikaner nicht, unter eigenemNamen gegen die Juden zu wühlen, sondern stachelten dazu den ge-tauften Pfefferkorn auf.

Gefügig und brauchbar war Pfefferkorn ganz besonders. Er gabseinen Namen zu einer neuen judenfeindlichen Schrift her, welcheWiederuin Ortuin Gratius zuerst lateinisch ausgearbeitet hat. EineuSpiegel zur Ermahnung"/) sich zum Christentum zu be-kehren, hielt er den Juden vor. Diese erste judenfeindliche Schrift unterPfefferkorns Namen tut noch freundlich mit den Juden, streicheltsie noch ein wenig und läßt sich sogar angelegen sein, die häufigenAnschuldigungen gegen sie von Stehlen und Schlachten von Christen-kindern als unwahr und verläumderisch zu erklären. Sie richtet nochdie Bitte an die Christen, die Juden nicht auszuweisen, da sie bisherstets voir einem Exil ins andere gehetzt wurden, ihnen auch keinen

Bergt. Note 2.