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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Pfefferkorn und die Cölner Dominikaner. 67

Religionsgespräche mit ihm noch Poppelsdorf (bei Bonn) berufen,welches in Gegenwart vieler Hofleute, Geistlicher und Ritter geführtwurde. Man weiß nicht recht, ob freiwillig oder gezwungen, Viktorvon Karben (der es mit Schmerz aussprach, er habe beim ÜbertrittFrau, drei Kinder, Brüder und liebe Freunde verlassen), H machte dabeiden Juden zum Vorwurfe, daß sie voller Bosheit gegen die Christenwären und alles Christliche schmähten. Als der Erzbischof Hermanndas Gespräch darauf führte, wie die Juden über Jesus und seine Mutterdächten, klagte der sogenannte getaufte Rabbiner seine ehemaligenGenossen der schändlichsten Lästerungen gegen dieselben au, und dieFolge war, daß sämtliche Juden aus der Niederrheingegend aus-gewiesen wurden, ch

Von diesem Viktor von Karben ließ sich Lrtuin Gratius dasMaterial zu Anklagen gegen die Juden, ihren Talmud, ihre Jrrtümerund ihre Abscheulichkeiten liefern und machte ein Buch daraus. Tieerste Anklage in dieser SchriftVon dem Leben und den Sitten derJuden" (verfaßt 1504 lateinisch und ins Deutsche übersetzt) lautet,daß sie nicht um alle Schätze der Welt vom Judentum lassen möchten.Und wenn man dem Ärmsten unter ihnen tausend Goldgulden böte,seinem Glauben zu entsagen oder auch nur vor einem Kruzifix etwasvon der Erde aufzuheben, so würde er darauf Verzicht leisten undlieber in Dürftigkeit bleiben. Auch der Unwissendste unter den Judenwürde sich lieber tausendmal verbrennen lassen, als Jesus zu be-kennen".^) Darum, weil dieses für geldgierig verschriene Volk nichtum Schätze seine Überzeugung aufgeben wollte, weil dieses für feigegehaltene Volk dafür die brennendsten Schmerzen ertrug, darum brand-markte es Viktor von Karben oder Ortuin als das schlechteste undverderbteste. Absonderliche Gespräche der Juden und agadische Er-zählungen im Talmud werden besonders in dieser Schrift lächerlichgemacht. Die Anschuldigung, daß die Juden in ihrem Gebete diegetauften und von ihnen abgefallenen Juden verfluchen, fehlt darinnicht; aber vollständig erlogen ist die Behauptung darin, daß die Judenstets dahinter wären, solche durch List und Gewalt zu töteu, wovonschauderhafte Märchen erzählt werden.^) Natürlich ist an aller

i) Os vitu et moribue .lnäa.sorum o. I. Daß Viktor von Karben keinEingeweihter im Talmud war, verrät die genannte Schrift an viele» Stellen.Er nennt die Verfasser oder Rektoren des Talmud das. o. 9: üabbi ^8.°set Ladbi LIrit'o äsäneerrmt (Dlnrlmnt); ein kundiger Rabbiner hatte gesagt:Habbi llsliuäa, Labbi .4888 et Raviinr oder klabina,. Als Beleg für eineAgada vom Raben wird das. e. 10 iNeolaue äs Ozna zitiert, statt den Talmudselbst als erste Quelle anzugeben. Dieses Zitat stammt wohl von Ort. Gratius.

H Das. o. 24.

h Das. e. 3.

P Das. e. 221.

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