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9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
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Geschichte der Juden.

einer Hellen Zeit mit den finstern Wolken wnsensfeindlicher Dnmm-gläubigkeit verdunkeln zu können meinten. An der Spitze desselbenstand H o ch st r a t e n (Hoogstraten), Jnqnisitionsrichter oder Ketzer-meister ein gewalttätiger, rücksichtsloser Mensch, der sich nach Brand-geruch verkohlter Ketzer förmlich sehnte, humanistisch gebildete Männeraus Cöln verbannen ließ und in Spanien einen brauchbaren Tvrque-mada abgegeben hätte. Ihm ähnlich war Arnold nusTongern(Tnngern), Professor der Dominikaner-Theologie, der einmal in seinerVaterstadt ein Verbrechen begangen hatte und darum seine Herkunftvergessen machen wollte. Der dritte im Bunde war Ortuin deGraes aus Deventer, mit seinem lateinischen Namen SrtuinusGratiusder Sohn eines Geistlichen, der es darin seinem Vaternachtnn wollte. Er hatte von den schönen Wissenschaften nur einwenig gekostet, wurde nichtsdestoweniger von seinen Freunden undGesinnungsgenossen als Poet und Magister der schönen Künste überdie Maßen gepriesen.

Lrtuin de Graes hegte einen so glühenden Haß gegen die Juden,daß er nicht bloß aus Glaubenseifer entstanden sein konnte. Er ver-legte sich förmlich darauf, durch judenfeindliche Schriften den Haß derChristel: gegen sie rege zu machen. Allein zu unwissend, um eii: juden-feindliches Buch oder auch nur eine Flugschrift zustande zu bringen,zog Ortuin Gratius getaufte Juden heran, die ihn mit Stoff versehensollten. Ein Jude, der bei irgend einer Verfolgung oder aus anderenGründen in seinem fünfzigstel: Lebensjahre zum Christentum über-getreten war und den Namen V i k t o r 2 ) v o i: K a r b e:: (geb. 1442,gest. 1515) angenommen hatte, wurde zum Rabbiner gestempelter verstand nur wenig Hebräisch und Rabbinisch um dessen Be-kämpfung des Judentums und Anerkennung des Christentums mehrins Gewicht fallen zu lassen. Um seine Christgläubigkeit zu prüfen,hatte der damalige Erzbischof und Kurfürst von Cöln, Herr 11 : a n n,Landgraf von Hessen, gelehrte Juden des Rheinlandes zu einem

U Die Reuchlinisten und Humanisten gaben ihn: den Spitznamen Ortn-Viuo.

2 ) Vergl. über ihn Wolf, Libliotb. beim. I p. 351, III. p. 238, IV. p. 268ff.und 216. Derselbe stellt richtig auf, daß dessen angebliches Werk unter ver-schiedenen Titeln: cts vita st moribns änäasornm, eontntatio äuäaeornm,oxns aursum novnm, zuerst in Cöln IS04 erschien; die. von 1509 ist die2. Auflage. Dasselbe nimmt auch Panzer an, Annalen der deutschen Literatur I,S. 291, Suppl. S. 108, und zwar laut der Identität des opus sm'snm von1504 und äs vita. von 1509. Ein Jahr vorher war bereits eine deutscheÜbersetzung davon erschienen. Auffallend ist jedoch, daß die Widmung derSchrift äs vita an Erzbischof Philipp vom 8. Febr. 1509 datiert ist, vielleichtdie zweite Ausgabe. Raimann hat mit Recht angenommen, daß der eigentlicheVerfasser dieser judenfeindlichen Schrift nicht Viktor, sondern Ortuin war; dererstcre hat nur das Material dazu geliefert.