Druckschrift 
9 (1907) Geschichte der Juden von der Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal (1494) bis zur dauernden Ansiedlung der Marranen in Holland (1618)
Entstehung
Seite
56
Einzelbild herunterladen
 

56

Geschichte der Juden.

seine Schwägerin entweder in das Haus ihres Gatten zurückführen oderihre Ehe durch einen vorschriftsmäßigen Scheidebrief auflösen lassenwürde. Diese Sache hatte so viel von sich reden gemacht, daß auchdie rabbinische Autorität von ,Padua, Juda Menz, darübergefragt wurde. Als auch dieser sich gegen Jakob Polaks Verfahrenausgesprochen hatte, sah sich derselbe nach rabbinischen Bundesgenossenum, fand aber nur einen einzigen, den ein Familienunglück gezwungenhatte, sich wider seine Überzeugung für ihn auszusprechen. Me'irPfefferkorn (in Prag?), ein Jünger des I o s e p h K o l v n, sahnämlich seine Frau und Kinder im Kerker schmachten und konnte seineHoffnung nur auf Jakob Polaks Schwiegermutter setzen, daß sie, ver-möge ihres Reichtums und Einflusses, sich für deren Befreiung ver-wenden und sie durchsetzen würde. Aber diese war unedelmütig genug,ihre Verwendung nur unter der Bedingung zuzusagen, wenn Met'rPfefferkorn die Auflösung der Ehe ihrer Tochter ohne Scheidung durchein rabbinisches Gutachten gutheißen würde. Ter unglückliche Gatteund Vater mußte darauf eingehend) und so konnte Jakob Polak seinVorhaben trotz des Widerspruchs aller Rabbiner durchsetzen. Aufwelche Weise er dein über ihn verhängten Bann entging, ist nichtbekannt geworden. Geschadet hat ihm. dieser Vorfall keineswegs,denn es scharten sich nichtsdestoweniger zahlreiche Jünger um ihn,und sein Lehrhaus wurde tonangebend, sowie seine talmudische Aus-legungskunst so sehr Mode wurde, daß fortan sich fast sämtliche rabbi-nischen Schulen damit befreundeten und denjenigen nicht für ebenbürtigoder für einen Schwachkopf hielten, der nicht imstande war, den Talmudauf dieselbe Weise zu behandeln. Polaks Schule verpflanzte einerseiner Jünger und Ebenbild nach Polen und gründete ihr dort erst dierechte Heimat.

Nächst Italien und der Türkei war Polen in dieser Zeit eine Zu-fluchtsstätte für die Gehetzten und Ausgewiesenen, namentlich ausDeutschland. Hier wozu auch Litauen durch Personaluniongehörte waren die Juden weit besser gestellt, als in den Nachbar-ländern jenseits der Weichsel und der Karpathen, obwohl der MönchCapistrano das gute Verhältnis zwischen dein Königtum und denJuden auf einige Zeit gestört hatte.2)

Die Könige und der Adel waren auf sie gewissermaßen angewiesenund räumten ihnen in der Regel, wem: nicht andere Interessen insSpiel kamen, Rechte ein, weil sie mit ihren Kapitalien und ihrem Handelden Bodenreichtum des Landes in Fluß brachten und die für ein geld-armes Land so unentbehrliche Barschaft verschaffen konnten. Zoll-es Bergt. Note 2.

2 ) B. VIII g S. 203.